Mögliche Übernahme durch Microsoft
Icahn dreht bei Yahoo das Glücksrad

US-Großanleger Carl Icahn hat Milliarden in Yahoo-Aktien investiert. Doch die Investition droht zum Debakel zu werden. Falls eine Übernahme des Internet-Konzerns durch Microsoft scheitern sollte, droht dem Investor seine bislang größte Pleite.

PORTLAND. Fast täglich bombardiert der US-Großanleger und Firmenjäger Carl Icahn den Verwaltungsrat von Yahoo mit offenen Briefen. Icahn kritisiert die Strategie des Internet-Portals, fordert die Ablösung von Chief Executive Jerry Yang, und vor allem verlangt er neue Verkaufsverhandlungen mit Microsoft. Dass der Firmenjäger soviel Druck macht, hat einen guten Grund: Yahoo könnte die bislang größte Pleite für den aggressiven Investor werden, noch dazu die teuerste.

Icahn (72) hängt auf Gedeih und Verderb an einer Übernahme von Yahoo durch Microsoft. Über eine Milliarde Dollar hat der Investor in Yahoo-Aktien investiert, eines seiner bislang größten Engagements. Ohne einen Microsoft-Deal drohen ihm hohe Verluste. Sein Problem: Der Software-Gigant ziert sich, hat es mit einer Übernahme plötzlich gar nicht mehr so eilig.

Geht es nach Icahn, soll der Yahoo-Verwaltungsrat beschließen, den einstigen Internet-Star für 34,375 Dollar pro Aktie oder insgesamt rund 49 Mrd. Dollar an Microsoft zu verscherbeln. Doch ob er eine solche Summe, die ihm satte Gewinne bescheren würde, jemals sehen wird, ist fraglich.

Bekanntlich brachen die Verhandlungen zwischen Yahoo und Microsoft Anfang Mai nach dreimonatigem Hickhack zusammen. Microsoft hatte 33 Dollar pro Anteil oder 47,5 Mrd. Dollar geboten, Yahoo 37 Dollar pro Aktie oder gut 52 Mrd. Dollar gefordert. Nachdem Microsoft-Chef Steve Ballmer die Verhandlungen abgebrochen und erklärt hatte, er sei an einer Übernahme des führenden Internet-Portals nicht mehr interessiert, sackte der Kurs der Yahoo-Aktie auf weniger als 25 Dollar ab.

Das brachte Icahn auf den Plan, der zu Preisen zwischen 23 und 27 Dollar mittlerweile rund 59 Mill. Aktien oder 4,3 Prozent von Yahoo erwarb. Zurzeit pendelt der Kurs um 26,50 Dollar, und Analysten sehen die Möglichkeit, dass er unter 20 Dollar fallen könnte, wenn Microsoft eine Yahoo-Übernahme endgültig abblasen sollte.

Seit den 80er-Jahren jagt Icahn erfolgreich Firmen, die in eine schwierige Lage geraten sind. Zu seiner Strecke gehören bekannte Namen wie der Kaufhauskonzern Marshall Field, die Ölmultis Phillips Petroleum und Texaco sowie der Stahlkocher USX Corp. Trotz einiger spektakulärer Fehlschläge wie die Übernahme der Fluggesellschaft TWA und des Videovermieters Blockbuster wurde Icahn dabei reich. Sein Privatvermögen wird auf 14 Mrd. Dollar geschätzt. Jüngst zwang er die Softwarefirma BEA Systems zurück an den Verhandlungstisch mit dem Konkurrenten Oracle, der seine Übernahmepläne bereits aufgegeben hatte.

Das Bombardement mit Briefen verfolgt auch das Ziel, möglichst viele Yahoo-Aktionäre auf seine Seite zu ziehen. Icahn will auf der Hauptversammlung des Internet-Portals am 1. August eine eigene Riege von zehn Verwaltungsräten, einschließlich sich selbst, durchsetzen. Doch selbst eine solche Kampfabstimmung ist ein Glückspiel, wollen andere Aktionäre doch ebenfalls Kandidaten aufstellen. Das weiß auch Icahn, und versucht jetzt verzweifelt einen Deal noch vor dem Aktionärstreffen hinzubekommen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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