MTV Arabia
Keuschheit und Klingeltöne

Seit vergangenem Sonntag ist MTV Arabia auf Sendung. Der arabische Ableger des US-Kultsenders muss sich allerdings braver zeigen als im Westen – und hat auch sonst keinen einfachen Start. Vor Ort gibt es bereits einige Dutzend Musiksender, die den Wettsttreit mit dem westlichen Herausforderer nicht scheuen.

DUBAI. Ismak, Omrak, Aslak? Hip-Hop-Produzent Farid Nassar alias Fredwreck schiebt seine verkehrt herum aufgesetzte Schirmmütze zurück und schaut den Kandidaten in dem kleinen Studio fragend an. Name, Alter und Herkunft kann der 19-jährige Walid aus Algerien noch auf Arabisch angeben, doch dann muss er passen: "Ich spreche kein Arabisch, ich bin in Dubai aufgewachsen.“ Den Song, mit dem sich der schlaksige Teenager in Jeans und schwarzem T-Shirt für die Talentshow beim Musiksender MTV Arabia bewirbt, singt er auf Englisch.

Von den zehn Kandidaten, die bisher im Studio in einer Medienhochschule in der "Knowledge City“ von Dubai angetreten sind, hat nur einer auf Arabisch gesungen. Ein Palästinenser hat gar auf Deutsch getextet.

Gastgeber Fredwreck ist dennoch zufrieden. "Sie sind trotzdem Araber und leben in der arabischen Welt“, sagt der Mann, der selbst palästinensischer Herkunft ist, in den USA lebt und als Produzent und Texter von US-Hip-Hop-Größen wie 50 Cent und Snoop Dogg berühmt wurde. Nun leitet Nassar die Talentshow für den Sender MTV Arabia, der am Wochenende in Dubai auf Sendung ging.

Der US-Konzern Viacom, zu dem MTV gehört, hat mit MTV Arabia einen neuen Schauplatz im Wettstreit zwischen westlicher und traditioneller, arabisch-muslimischer Kultur im Nahen Osten geschaffen. Und das Überraschende: Das mächtige MTV, das im Westen seit seiner Gründung 1981 ganze Generationen von Teenagern prägte, muss sich als Herausforderer positionieren, nicht als Platzhirsch. Denn längst versorgen mehr als 60 Musiksender via Satellit die Jugendlichen im Nahen Osten mit Lifestyle und Rhythmus.

Deshalb versucht sich MTV denn auch in einer Nische: Hip-Hop. Die Musik aus den Schwarzenghettos Amerikas gibt es zwar in der Region bereits, wird aber von arabischen Sendern kaum gespielt – zu amerikanisch. "Alles Quatsch“, findet Farid Nassar. "Hip-Hop ist eine wahrhaft universelle Ausdrucksmöglichkeit.“ Deshalb sucht er nun nach neuen lokalen Talenten für MTV Arabia – in Beirut, Kairo, Dubai und Jeddah. Die Show soll ein Flaggschiff des neuen Senders werden, der 190 Millionen Teenager im Nahen Osten erreichen will.

Marwan Kaiss ist sich des Problems, dass es in Dubai kaum arabischsprachige Jugendliche gibt, bewusst. Kaiss ist der Produzent der Talentshow und gehört zum Team der 18 Personen aus der gesamten arabischen Welt, die das neue MTV-Arabia-Programm entwickeln. "In Beirut und Kairo hatten wir dieses Problem natürlich nicht“, sagt der 29-jährige Libanese entschuldigend. Aber was unterscheidet die arabische Version von der Originalausgabe, wenn 60 Prozent der Musikvideos internationale Stars zeigen und in einigen Sendungen zu 70 Prozent Englisch gesprochen werden soll? Wenn Kultshows wie "Pimp My Ride“ vom Muttersender einfach übernommen werden? Wenn selbst Starmoderator Mohammed, 23, zwar im saudischen Jeddah geboren, aber in den USA und Großbritannien aufgewachsen ist?

"Wir zeigen arabische Jugendliche in ihrem Umfeld, mit ihren Wünschen und Träumen“, sagt Kaiss. So wie bei der Version von "Made“, bei der ein Coach einem Jugendlichen hilft, einen Traum zu verwirklichen.

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