Mutterkonzern bietet sieben Milliarden Euro für restliche Anteile an der Mobilfunksparte
France Télécom will Orange komplett

France Télécom will künftig stärker vom Wachstum ihrer Mobilfunktochter Orange profitieren und daher die Sparte für etwa 7 Mrd. Euro komplett übernehmen. Gestern machte der französische Telekomkonzern den Orange- Minderheitsaktionären, die knapp 14 % an dem Unternehmen halten, ein entsprechendes Angebot.

slo DÜSSELDORF. Die Offerte sieht einen Aktientausch vor: Für 25 Papiere der Mobilfunktochter werden elf Titel von France Télécom angeboten. Der sich daraus ergebende Preis von 9,94 Euro pro Aktie liegt über dem durchschnittlichen Wert der Orange-Titel in den vorigen drei Monaten. Das Angebot gilt vom 12. September bis 7. Oktober. Analysten hatten mit diesem Schritt zwar gerechnet, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

„Ich erwarte, dass Orange eine zusätzliche Trumpfkarte bei der Transformation der France Télécom sein wird“, sagte Thierry Breton, Vorstandschef des französischen Telekomkonzerns. Er hat Ende vergangenen Jahres das Ruder bei France Télécom übernommen und einen ambitionierten Sparkurs eingeleitet, um den Schuldenberg des Konzerns zu senken. Ende Juni lagen die Verbindlichkeiten bei 49,3 Mrd Euro.

Die Mobilfunktochter ist einer der größten Wachstumsmotoren des Konzerns und kann einen wichtigen Beitrag zum Schuldenabbau leisten. Dass France Télécom den Mobilfunk wieder ganz unter das eigene Dach holt, bewerteten Branchenkenner gestern positiv. Der Konzern bekäme dadurch den vollen Zugriff auf den soliden Cash-Flow der Mobilfunktochter, sagte Guy Deslondes, Analyst der Ratingagentur Standard & Poor’s. Nach Einschätzung von Dresdner Kleinwort Wasserstein kommen Steuervorteile hinzu.

Orange hatte Ende Juni einen freien Cash-Flow von 1,7 Mrd. Euro. Ihren operativen Gewinn steigerte die Sparte im ersten Halbjahr um mehr als zwei Drittel auf rund 2,1 Mrd. Euro und stützte damit das gesamte Konzernergebnis.

Mit der Komplett-Übernahme des Mobilfunkgeschäfts macht France Télécom eine Entscheidung vom Februar 2001 wieder rückgängig. Damals brachte der Konzern Orange an die Börse. Das Bedürfnis, eine Akquisitionswährung zu schaffen, habe zum damaligen Zeitpunkt dafür gesprochen, sagte Breton gestern. Doch das Argument sei nicht mehr gültig, denn demnächst könne man Zukäufe mit eigenen Aktien bezahlen.

Die französische Regierung hat inzwischen die Voraussetzungen dafür getroffen, dass der Staatsanteil an dem Unternehmen auf unter 50 % sinken kann. Die Beteiligung des Staates wird sich bereits durch die Übernahme der restlichen Orange-Anteile von 58 % auf etwa 54 % verringern. Denn France Télécom will diesen Deal mit existierenden und mit mit neuen Aktien bezahlen. Diese will sich der Konzern durch eine Kapitalerhöhung besorgen.

Die Titel von France Télécom und Orange waren am Morgen kurzzeitig an der Pariser Börse vom Handel ausgesetzt worden. Im Tagesverlauf gab der Aktienkurs des Mutterkonzerns dann um mehr als 3 % auf 21,88 Euro nach, der Aktienkurs von Orange legte dagegen deutlich zu – um 13,2 % auf 9,56 Euro.

An diesem Trend änderten auch die guten Halbjahreszahlen von France Télécom nichts, die der Konzern gestern vorlegte. Demnach erwirtschafteten die Franzosen zwischen Januar und Juni einen Nettogewinn von 2,5 Mrd. Euro – nach einem Milliardenverlust im ersten Halbjahr 2002. Der Umsatz stieg nur leicht auf knapp 23 Mrd. Euro.

France Télécom kündigte für das nächste Jahr wieder die Zahlung einer Dividende an, wenn der Konzern seine Ziele für dieses Jahr erreichen sollte. Geplant ist ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 %. Das operative Ergebnis soll am Jahresende bei mehr als 9,2 Mrd. Euro liegen. Zur Halbzeit waren es 4,6 Mrd. Euro.

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