Nach Schrumpfkur plant der Konzern Kauf von Netzbetreibern auch in Deutschland
Telecom Italia will wieder wachsen

Nach der tiefgreifenden Restrukturierung und Schrumpfkur in den letzten drei Jahren setzt der frühere italienische Telekom-Monopolist Telecom Italia (TI) jetzt auf fokussiertes Wachstum.

mab MAILAND. TI-Präsident Marco Tronchetti Provera erklärte auf einem Analystentreffen in Mailand, dass der viertgrößte europäische Telekommunikationskonzern vor allem in jenen Märkten expandieren wolle, in denen er bereits präsent sei. Dazu gehören neben der Heimat Italien im Mobilfunk Südamerika und die Türkei sowie im Festnetz Frankreich und Deutschland. Auch eine Rückkehr nach Spanien sei denkbar.

Tronchetti erklärte, dass er insbesondere Interesse am Zukauf von Betreibern breitbandiger Netze habe. In diesem Zusammenhang hatte Telecom Italia im letzten Jahr die Hamburger Hansenet für 230 Mill. Euro in bar übernommen. Nun könnten zum Beispiel andere Stadtnetzbetreiber, die schnelle Internetdienste anbieten, folgen. Der Unternehmenspräsident stellte aber klar, dass bis auf weiteres keine Großakquisitionen oder gar Fusionen absehbar seien. Waren die letzten Jahre nach der Übernahme des Konzerns durch den Reifenhersteller Pirelli und die Textilindustriellen Benetton geprägt von Beteiligungsverkäufen, Schuldenreduzierung und internen Aufräumarbeiten – zum Beispiel die Fusion der Holding Olivetti mit TI im Jahr 2003 – so haben nun Investitionen in neue Technologien, internes Wachstum und kleinere Zukäufe die Priorität.

Für diese von Analysten als „Phase zwei“ bezeichneten Abschnitt scheint TI gut gerüstet: Die Bilanzergebnisse des letzten Jahres waren mit einer 12 %igen Steigerung des operativen Ergebnisses auf 6,8 Mrd. Euro und einem Plus von 6,4 % beim freien Mittelzufluss auf 9,2 Mrd. Euro hervorragend. Unterm Stich hat TI nach einem Verlust von 773 Mill. Euro 2002 einen Gewinn von 1,2 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Ermutigt vom sehr guten Geschäftsverlauf im Festnetz und den anhaltend erfreulichen Ergebnissen der Mobilfunktochter TIM hat der Konzern seine Wachstumsprognosen für die kommenden drei Jahre nach oben korrigiert. Demnach soll der Umsatz bis 2006 im Durchschnitt um 5 % jährlich wachen. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll im selben Zeitraum pro Jahr um 10 % zulegen. Bislang war nur von einem Plus in Höhe von 8,5 % die Rede. „Dank Breitband und innovativer Technologien können wir unseren Kunden neue Dienste anbieten, die ein höheres Geschäftsvolumen und größere Ertragskraft zur Folge haben werden“, sagte Tronchetti. Die Verschuldung, die im letzten Jahr von über 40 Mrd. Euro auf 33 Mrd. Euro gedrückt worden ist, soll bis Ende 2004 auf unter 30 Mrd. Euro sinken. Ein Abbau über dieses Maß hinaus ist nicht vorgesehen, denn dann sei ein „korrekter Level“ der Verschuldung erreicht, so Tronchetti.

Traditionell hoch sollen die Dividenden mit einer Ausschüttungsquote von 80 % des Cash Flow bleiben. 2004 werden voraussichtlich 2,8 Mrd. Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, was als Richtmarke für die kommenden Jahre gelten soll. Analysten bezeichneten die Dividendenpolitik als erfreulich. Daneben wird TI bis 2006 ungefähr 15 Mrd. Euro investieren, wovon zwei Drittel in innovative Initiativen, wie den Ausbau des Breitbandes, GPRS und UMTS, fließen sollen. 47 % der Gesamtinvestitionen betreffen den Mobilfunk, 42 % das Festnetz. Die Börse reagierte auf die veränderten Plandaten positiv: Die Aktien legten bis zum Nachmittag um über 2 % zu.

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