Nach Springers Verkauf
Bei Pro Sieben regieren jetzt die Heuschrecken

Im Münchener Medienvorort Unterföhring gilt ein eisernes Gesetz. Es lautet: Was in den Büros der Fernsehstationen passiert, muss stets mindestens genauso spannend sein wie das Programm auf dem Bildschirm. Nichts leichter als das – denn nach dem Verkauf der Pro-Sieben-Anteile des Springer-Verlags überschlugen sich in der Medienbranche einmal mehr die Gerüchte.

jojo MÜNCHEN. Auch am Dienstag hat Deutschlands größte private TV-Gruppe wieder für gute Unterhaltung gesorgt. Denn in der Medienbranche startete eine heiße Debatte. "Wie lange darf Konzernchef Guillaume de Posch jetzt noch bleiben?" fragen sich die Insider. Und: "Müssen auch andere Vorstände bald gehen?"

Die Spekulationen über die Zukunft des Unterföhringer Medienunternehmens gingen sogar noch weiter. Die Analysten der Unicredit brachten einen Einstieg von Springer bei Premiere ins Gespräch, dem Nachbarn von Pro Sieben Sat 1. Die Überlegung dahinter: Ohne den Pro-Sieben-Anteil könnte das Kartellamt einen Einstieg von Springer beim Bezahlkanal Premiere erlauben.

Fest steht bis jetzt aber nur: Nach dem Ausstieg von Springer halten nun die Finanzinvestoren KKR und Permira sämtliche stimmberechtigten Aktien von Pro Sieben Sat 1. Die Beteiligungsgesellschaften haben also endgültig das Sagen. Die freien Aktionäre sind lediglich über Vorzugsaktien ohne Stimmrecht an dem Konzern beteiligt.

In der Medienbranche in München wird indes spekuliert, dass die Private-Equity-Häuser den Schritt von Springer als Anlass nehmen könnten, um sich nun zügig von Konzernchef de Posch zu trennen. Einer der Gründe: Der gebürtige Belgier gilt als Vertrauter des Ex-Eigentümers Haim Saban. Dazu kommen zuletzt ausgesprochen schlechte Zahlen. Im dritten Quartal ist die Sendergruppe mit 78 Mill. Euro in die roten Zahlen gerutscht. Grund dafür war ein Bußgeld des Kartellamts wegen illegaler Werberabatte von 120 Mill. Euro. Nach Ansicht der Wettbewerbshüter hat der Konzern - wie auch der Konkurrent RTL - kleinere Kunden bei der Vermarktung von Werbezeiten benachteiligt. In diesem Zusammenhang gilt auch Vertriebsvorstand Peter Christmann als angezählt.

Pro Sieben Sat 1 hat eine bewegte Vergangenheit. Das Unternehmen entstand im Herbst 2000 durch die Fusion der Privatsender Pro Sieben und Sat 1. Damals hatte noch Medienmogul Leo Kirch das Sagen. Nach der Pleite von Kirchs Imperium übernahm im Herbst 2003 ein Konsortium rund um den amerikanischen Milliardär Haim Saban die Mehrheit. Saban blieb drei Jahre und reichte die Gruppe zum Jahresende 2006 an Permira und KKR weiter. Kurz danach entschloss sich Pro Sieben Sat 1, seinen beiden Großaktionären die Senderkette SBS abzukaufen. Seither ist das Unternehmen in großem Stil auch im Ausland vertreten.

Die Wachstumsstory jenseits der Grenzen wurde gestern überschattet von der Unsicherheit über den weiteren Geschäftsverlauf in Deutschland. Denn noch weiß niemand, wie die neuen, vom Kartellamt erzwungenen Vermarktungsmodelle für Werbezeiten funktionieren. "Die Unsicherheit über die Entwicklung in Deutschland hemmt die Kursentwicklung", urteilten die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg. Die im MDax notierte Aktie bewegte sich in einem richtungslosen Markt kaum. Das Papier notierte nahezu unverändert bei 18,20 Euro. Die Premiere-Aktie ging dagegen mit minus zwei Prozent in die Knie. Offenbar glauben die Investoren nicht an einen Einstieg von Springer.

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