Nachgefragt: Thomas Vinje
„Der Fall landet vor Gericht“

Michael Scheerer sprach für das Handelsblatt mit Thomas Vinje, einem Anwalt der Computer und Comminucation Industrie Association, über das EU-Verfahren gegen Microsoft.

Sie vertreten im EU-Verfahren gegen Microsoft Mitbewerber wie Oracle und Sun. Welche Maßnahmen sind gegen den Software-Giganten angemessen?

Microsoft sollte gezwungen werden, den Mediaplayer unabhängig von der Betriebssoftware anzubieten, so wie es Konkurrenten von Microsoft auch tun müssen. Ferner sollte die Kommission das Unternehmen verpflichten, konkurrierenden Server-Anbietern wichtige Schnittstelleninformationen seines Betriebssystems und seiner Serversoftware zur Verfügung zu stellen. Das Ziel ist klar: Die Verbraucher müssen in die Lage versetzt werden, über die Server anderer Anbieter genauso eng mit dem Windows-Betriebssystem zusammenzuarbeiten wie über Microsofts eigenen Server. Nur dann herrscht Chancengleichheit.

In den USA endete der Streit um den Mediaplayer mit der schlichten Auflage, das Emblem für den Mediaplayer vom Bildschirm zu tilgen. Ist diese Lösung auch in Europa denkbar?

Ich glaube nicht, dass sich die Kommission darauf einlassen wird. Die vor knapp zwei Jahren in den USA ergangene Entscheidung hat den Wettbewerb für Mediensoftware in keiner Weise belebt.

Fordern Sie ein Bußgeld gegen Microsoft?

Das Bußgeld ist nicht so wichtig. Besser wäre es, die Kommission und Microsoft erzielten einen raschen Kompromiss, mit dem alle Beteiligten leben können.

Seit fünf Jahren dauert der Streit zwischen Brüssel und Microsoft nun schon. Ist ein derart langes Verfahren akzeptabel für eine Branche, in der die technologische Entwicklung in rasantem Tempo voranschreitet?

Die Länge dieses Verfahrens wirft kein gutes Licht auf die Wettbewerbskontrolle der EU. In der Tat: Je länger der Streit andauert, desto schwerer ist es, die mit unlauteren Mitteln erworbene Marktdominanz von Microsoft zu brechen.

Sehen Sie noch Raum für Kompromisse?

Leider nein. Microsoft wird nämlich keiner Lösung zustimmen, die den Wettbewerb verbessert und seine eigenen Marktchancen schmälert. Wahrscheinlicher ist es, dass der Fall schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof landet.

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