Neuer Trubel
Bilanzaffäre kostet HP-Verwaltungsratschef den Job

Es bleibt unruhig: In der Chefetage des größten Computerbauers der Welt gibt es wieder Wechsel. Ray Lane tritt als Verwaltungsratschef von HP zurück, zwei weitere Mitglieder des Gremiums scheiden aus. Nachfolger werden noch gesucht.
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Palo AltoBeim weltgrößten Computerbauer Hewlett-Packard tritt der heftig kritisierte Chef des einflussreichen Verwaltungsrats von seinem Amt zurück. Ray Lane bleibe allerdings als einfaches Mitglied in dem höchsten Firmengremium, erklärte der Konzern am Donnerstag nach US-Börsenschluss. Nach einem ständigen Nachfolger wird gesucht, vorläufig springt Ralph Whitworth ein.

Die HP-Aktionäre hatten Lane zuletzt einen saftigen Denkzettel verpasst. Er war bei der Hauptversammlung im März nur mit der knappen Mehrheit von rund 59 Prozent wiedergewählt worden. „Ich habe mich dazu entschieden, als amtierender Verwaltungsratschef zurückzutreten, um die derzeitige geschäftliche Wende von HP möglichst wenig zu belasten“, erklärte Lane.

Die Anteilseigner sind vor allem deshalb verbittert, weil die als Weg in die Zukunft gepriesene milliardenschwere Übernahme des britischen Software-Spezialisten Autonomy in einem Debakel endete. Schon davor hatte der Verwaltungsrat die Aktionäre mit der Abberufung von Firmenchef Mark Hurd verärgert. Der Kurs war eingebrochen.

Der Kauf von Autonomy kostete HP 11 Milliarden Dollar, von denen der Konzern bald danach acht Milliarden abschreiben musste, wie das „Wall Street Journal“ schreibt. Die Übernahme fand unter der Aufsicht von Lane statt. Das Unternehmen sagte, es sei falsch über die finanzielle Situation von Autonomy informiert worden.

Zwei weitere Verwaltungsratsmitglieder treten ganz aus dem Gremium aus: John Hammergren und G. Kennedy Thompson. Die Wechsel kommen einigermaßen überraschend. Noch im Februar hatte HP-CEO Meg Whitman die Mitglieder des Verwaltungsrates gelobt, und gesagt, dass sie keine Wechsel erwarte.

Doch die Wut der Aktionäre war wohl zu groß. Lane „glaubt, dass er kein Vertrauen der Aktionäre mehr hat“, sagte Interimsnachfolger Whitworth dem „Wall Street Journal“. „Er glaubt, dass es in den letzten Monaten viele Ablenkungen gegeben habe. Er will dass das Unternehmen ohne diese Ablenkungen weitermachen kann.“
Whitworth sagte der Vorsteherin Meg Whitman starke Unterstützung zu, und bezeichnete den Kurswechsel im Unternehmen als „Herkulesaufgabe“.

Whitman genießt bei den Aktionären große Unterstützung: Sie wurde im März mit einem Glanzresultat von 98 Prozent wiedergewählt. Sie hatte den deutschen Manager Léo Apotheker nach seinem kurzen Zwischenspiel abgelöst. Sie unterzieht den Konzern derzeit einem umfassenden Umbau, um neue Wachstumspotenziale freizusetzen.

Dabei bleiben 29 000 Mitarbeiter auf der Strecke, das ist fast jeder zehnte Beschäftigte. Erst Anfang Februar hatte HP verkündet, den Standort in Rüsselsheim zu schließen, was alleine 850 Jobs kostet. Insgesamt gehen in Deutschland 1300 von ehedem 10 300 Stellen verloren.

Whitman forderte Anleger auf, geduldig zu sein. Erstmal stehen nun Stellenstreichungen, Einsparungen sowie die Konzentration auf vielversprechende Dienstleistungen auf dem Programm.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
Handelsblatt / Freier Journalist
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich warte auf die Nachricht, dass der Chef des Deutschen Aufsichtsrat aufgibt oder noch besser das der Aufsichtsrat das Deutsche Management (Smid, Reichart, Eberhard) rausschmeist, die schon seit Jahren HP an die Wand fahren. Jetzt wieder mit der Schliessung und Rüsselsheim und der Planung letztendlich alle Jobs von HP Enterprise Services ins Ausland zu verlegen (mit Ausnahme ein paar weniger kundenabhängiger Jobs). HP ES wird in Deutschland nicht mehr lange existieren. Nicht umsonst haben die drei die goldene Zitrone als die schlechtesten Manager bekommen. Speziell Eberhard demonstriert immer wieder, das er
    vom Servicegeschäft keine Ahnung hat. Unvergessen seine Aussage, Apple ist der größte Konkurent von HP ES. Und das obwohl Apple gar kein Service verkauft. Kein Wunder das immer mehr Kunden drohen die Verträge zu kündigen wenn Rüsselsheim zugemacht wird. Die Drei müssen weg, so schnell als möglich, bevor sie noch größeren Schaden
    anrichten.

    Was passiert heute in Rüsselsheim ?

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938
    .jsp?rubrik=53993&type=v&mediakey=fs/hessenschaukompakt1645/130405172
    559_hsk_hp_3629&key=standard_teaser_48007241

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