Ohne Kirch
DFL vermarktet Bundesliga-Rechte in Eigenregie

Der Fußball-Ligaverband DFL hat den vom Kartellamt beanstandeten Vertrag mit dem Kirch-Rechtevermarkter Sirius gekündigt und vergibt die Fernsehrechte an der Bundesliga stattdessen in Eigenregie.

HB FRANKFURT. Der Drei-Milliarden-Vertrag zwischen der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Kirch-Agentur Sirius ist endgültig geplatzt. Der Ligavorstand stimmte am Donnerstag der Kündigung des Kontraktes zu, der der DFL im Schnitt 500 Mill. Euro TV-Honorar pro Jahr garantiert hatte. Zugleich beschloss die Liga eine eigene Ausschreibung der TV- und Medien-Rechte von der Saison 2009/2010 an. Sechs Jahre nach der Kirch-Krise endete damit auch die zweite Zusammenarbeit des Profi-Fußballs mit dem Münchner Medienunternehmer Leo Kirch erfolglos.

„Das Kartellamt hat mit seinen Vorgaben der geplanten Zusammenarbeit die Grundlage entzogen. Nach Abwägung aller Handlungsmöglichkeiten hat der Vorstand daher beschlossen, die entsprechenden Vertragsbeziehungen aufzulösen“, begründete Liga- Präsident Reinhard Rauball den seit mehreren Wochen erwarteten Schritt. Ein juristischer Streit mit Sirius ist nicht zu erwarten. „Wir haben volles Verständnis für die Entscheidung der Liga unter den gegebenen Umständen und wünschen der DFL viel Glück bei der Vermarktung der Bundesliga-Rechte“, sagte ein Sirius-Sprecher. Die Kirch-Firma will weiterhin auf dem Rechtemarkt tätig bleiben.

Bereits Ende Oktober will die DFL die neue Ausschreibung beginnen, und Ende Januar 2009 sollen die nationalen Rechte verkauft sein. Dabei sollen nach Angaben von Karl-Heinz Rummenigge mindestens 409 Mill. Euro erlöst werden. Diesen Betrag erhält der Dachverband derzeit von seinen TV-Partnern. Den Löwenanteil zahlt der Pay TV- Sender Premiere mit 205 Mill. Euro vor der ARD (97 Millionen). „Die DFL hat sich auf diese Rechtevergabe bereits seit Wochen vorbereitet und führt mit Zustimmung von Sirius seit längerer Zeit Sondierungsgespräche mit unterschiedlichen Marktteilnehmern“, erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Die neue Situation auf dem TV-Rechte-Markt ist auf eine Entscheidung des Kartellamtes zurückzuführen. Mit seiner Empfehlung zur Zentralvermarktung hatte die Behörde dem lukrativen TV-Deal mit Kirch die Geschäftsgrundlage entzogen. Die Wettbewerbshüter wollten die Zentralvermarktung nur genehmigen, wenn weiterhin eine Bundesliga-Zusammenfassung samstags vor 20.00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen (Free TV) zu sehen ist. Eines von zwei Modellen von DFL/Sirius sah aber eine späte Zusammenfassung nach 22.00 Uhr vor, um damit dem Bezahlfernsehen (Pay TV) mehr Exklusivität zu sichern.

Mehrere Proficlubs hatten bereits nach dem Veto des Kartellamts ihre Sorge um Millionen-Verluste geäußert. Die Vereine, denen von Sirius für die nächste Spielzeit insgesamt 460 Mill. Euro zugesagt worden waren, müssen sich auf eine jährliche Mindereinnahme von jeweils vier bis fünf Mill. Euro einstellen. „Der Zeitplan war stets so gewählt, dass die Option der Eigenvermarktung wie 2005 zeitgerecht möglich ist und eine Finanzierung der Folgesaison rechtzeitig gesichert ist“, argumentierte Rauball.

Der Ligavorstand schloss außerdem eine Änderung des vorgesehenen Bundesliga-Spielplans nicht aus. Ursprünglich sollte es mit Beginn der nächsten Saison ein Freitag-Spiel, fünf Samstag-Partien und drei Sonntag-Begegnungen geben. Wegen der neuen TV-Situation sind aber jetzt auch wieder andere Modelle denkbar.

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