Online-Lexikon
Warum braucht Wikipedia so viel Geld?

Hartnäckig fleht Wikipedia um Spenden. Dabei verfügt die dahinter stehende Stiftung über große Geldmittel. Das Online-Lexikon rechtfertigt das mit Reserven für die Zukunft, doch Kritiker sehen Wildwuchs und Täuschung.

New YorkWollen sie mal eben etwas über Gentechnik nachschlagen? Wissen, wie alt die Schauspielerin Jennifer Lawrence ist? Einen Moment, schnell auf Wikipedia nachgeschaut – aber zuvor wartet eine andere Meldung auf: „Liebe Leser: Über 8 Millionen Mal wird unser Spendenaufruf täglich angezeigt, aber nur 319.721 haben bisher gespendet.“

Groß und farbig schiebt sich das Werbebanner in die sonst schlicht und schwarz-weiß gehaltene Website. Der Spendenaufruf lässt beim Leser ein schlechtes Gewissen zurück: Immerhin liest er oder sie gratis ein Lexikon, das in finanziellen Nöten zu sein scheint.

Aber nichts könnte ferner der Wahrheit sein. In der Schatztruhe der Stiftung ruhen mehr als 77 Millionen Dollar. Das ist dreimal so viel, wie der Betreiber Wikimedia in diesem Jahr im Dezember einsammeln will. Laut eigener Aussage visiert Wikimedia 25 Millionen Dollar in diesem lukrativen Spendenmonat an, damit die Website weiter „am Netz sein kann und wachsen kann“. Die Spenden fließen reichlich: Allein im vergangenen Jahr reichte das Geld von einem einzigen Tag – dem 3. Dezember 2014 – um Wikipedia 15 Monate lang auf Sendung zu halten.

Die Spendenkampagne rechtfertigt die Wikimedia-Stiftung (WMF) mit Vorsorge: Das Geld entspricht in etwa dem, was Wikipedia in einem Jahr braucht. Zwar schreiben unzählige Freiwillige ohne Entgelt die Einträge – allein in der deutschsprachigen Version sind es über 1,8 Millionen.

Es müssten aber Server bereitgestellt werden und Gehälter von Stiftungsangestellten gezahlt werden. Sollte es zu Problemen bei der Spendensammlung kommen, wäre die Reserve „ein Sicherheitsnetz“, wie Samantha Lien, Sprecherin der WMF-Stiftung, sagt.

Kritiker sehen das ganz anders. Sie vermuten bei Wikimedia Wachstum um des Wachstums willen. Arbeiteten bei der Stiftung mit Hauptsitz in San Francisco vor neun Jahren lediglich drei bezahlte Angestellte, so sind es heute 240. Im laufenden Geschäftsjahr soll die Anzahl auf 280 steigen.

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