Pirelli will Kontrollanteil abgeben
Telecom Italia steht zum Verkauf

Die Telecom Italia steht wieder einmal im Zentrum von Übernahmespekulationen. Diesmal ist Pirelli-Chef Marco Tronchetti Provera höchstpersönlich dafür verantwortlich: Der Verwaltungsrat von Pirelli hat Tronchetti damit beauftragt, nach einem Käufer für die Finanzholding Olimpia zu suchen, über die der Mischkonzern Telecom Italia kontrolliert. Interessenten gibt es so einige.

MAILAND. Ausländische Unternehmen gelten ebenso als mögliche Käufer wie eine Gruppe italienischer Banken. Der Aktienkurs von Pirelli stieg am gestrigen Dienstag zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent.

Die Entscheidung, sich ganz von Telecom Italia zu trennen, ist eine strategische Wende für Pirelli. Konzernchef und Hauptaktionär Tronchetti ist zwar seit Monaten auf der Suche nach einem Investor für seine Anteile an Olimpia – Pirelli hält 80 Prozent, die Benetton-Familie 20 Prozent an der Holding. Aber bisher war stets von einer Minderheitsbeteiligung die Rede. Ein Komplettverkauf von Olimpia kommt einer Übernahme von Telecom Italia gleich. Denn wer Olimpia kauft, übernimmt die Kontrolle von Telecom Italia – Olimpia hält zwar nur 18 Prozent der Anteile, ist damit aber der Hauptaktionär des Telekom-Konzerns. Im Vergleich zu einem öffentlichen Übernahmeangebot wäre das immer noch die günstigere Lösung, auch wenn die Aktien bei Olimpia mit drei Euro noch immer deutlich höher bewertet sind als an der Börse, wo sie bei 2,16 Euro notieren. „Für einen Käufer ist Olimpia der einfachste Weg, die Kontrolle über Telecom Italia zu erhalten“, sagt ein Mailänder Analyst.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „La Repubblica“ ist eine Gruppe Banken bereit, bis zu 2,70 Euro je Aktie zu zahlen. Das entspräche einem Preis von rund 6,5 Mrd. Euro für das Olimpia-Paket. Als Namen werden Capitalia, Mediobanca, Intesa Sanpaolo und Unicredit genannt.

Auch Telefónica gilt als möglicher Kandidat. Die Spanier hatten in den vergangenen Wochen sowohl mit Pirelli über einen Einstieg bei Olimpia als auch direkt mit Telecom Italia über mögliche strategische Kooperationen gesprochen. Telefónica soll darauf gedrängt haben, bei einer Aktienbeteiligung als exklusiver Partner von Telecom Italia aufzutreten. Die Gespräche waren vor knapp zwei Wochen auf Eis gelegt worden, könnten nun aber wieder aufgenommen werden.

Die russische Sistema hat am Dienstag erneut Interesse an Telecom Italia bekräftigt. „Es gibt Kontakte“ mit Pirelli, sagte am Dienstag Sistema-Eigentümer Wladimir Jewtuschenkow. Auch die indische Hinduja-Gruppe gilt als möglicher Kandidat. Die Deutsche Telekom wollte die neue Situation am Dienstag nicht kommentieren. Ein ausländischer Anbieter läuft in Italien allerdings Gefahr, auf politischen Widerstand zu stoßen, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Vor einem halben Jahr, als nur der Verkauf der Mobilfunktochter TIM zur Diskussion stand, hatte die Regierung in Rom die Pläne missbilligt.

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