„Pokémon Go“
Monster-Fieber sorgt für neue Realitäten

500 Millionen Mal wurde die Pokémon Go-App bisher heruntergeladen. Auch wenn der Hype abkühlt: Für die Technologie „Augmented Reality“ war er Türöffner. Und die Erfolgsgeschichte dürfte in jeder Hinsicht weitergehen.

DüsseldorfWar es das schon mit dem Pokémon-Hype? Zwölf Millionen Nutzer hat die Smartphone-App „Pokémon Go“ seit ihrer furiosen Startphase im Juli verloren. Von 45 Millionen Nutzern, so sagen es Branchendienste und stützen sich dabei auf Datenerhebungen der Nachrichtenagentur Bloomberg, sind noch knapp über 30 Millionen User aktiv dabei. Auch die Neukundengewinnung, sprich, die Downloadzahlen, ist demnach rückläufig.

Und auch im Stadtbild sind die Heerscharen von auf ihr Handy starrenden Pokémon-Jägern längst keine Auffälligkeit mehr. Mit Ende der Sommerferien fehlt auch vielen Schülern die Zeit, sich so ausführlich wie zu Beginn mit dem Spiel zu beschäftigen. Auf der Düsseldorfer Königsallee ist inzwischen an der Girardet-Brücke Deutschlands wohl bekanntester Pokémon-Treff geräumt. Zwar treffen sich dort in den Abendstunden immer noch Dutzende, doch die Stadt hat sich inzwischen dazu entschlossen, die Poké-Stops entfernen zu lassen. Die Festivalstimmung der Sommerferien – sie passt nicht mehr auf die Luxusmeile, deren Kunden von Beginn an nichts mit der Jugend anfangen konnte, die, so ein Wortlaut, „im Dreck herumsitzt“.

Doch auch wenn die Nutzerzahlen sinken und der große Rummel abebbt: gestorben ist das Spiel damit noch lange nicht. Für die App-Hersteller, die Nintendo-Beteiligung „The Pokémon Company“ und die Google-Ausgründung „Niantec“ hat sich das Spiel schon jetzt mehr als rentiert.

Niantec präsentierte diese Woche das erste Mal konkrete Zahlen zur App. Bisher zog es das Unternehmen vor, keinerlei Daten zu nennen. Doch im Rahmen der Vorstellung des neuen iPhone durfte Niantec-Chef John Hanke zu Protokoll geben, dass Pokémon Go inzwischen eine halbe Milliarde Mal heruntergeladen wurde. Zur schnellen Einordnung: Ja, das ist verdammt viel. Keine Angaben machte Hanke dazu, wie viele Spieler bei „Pokémon Go“ aktiv seien. Er gab lediglich an, dass sie 4,6 Milliarden Kilometer mit eingeschalteter App zurückgelegt hätten. Eine völlig substanzlose Zahl, wenn man das Geschäftliche betrachtet.

Doch es zeigt: Die Nutzerbasis ist breit, und das größte Pfund ist und bleibt die Pokémon-Lizenz. Die kleinen Fantasiegeschöpfe, die seit rund 20 Jahren die Sammelwut vor allem von jungen Spielern anregen und sich für den japanischen Elektronikkonzern Nintendo in der Vergangenheit als Geldmaschine erwiesen haben, sind erfolgreich in der aktuellen Gamer-Generation angekommen.

Doch unabhängig vom weiteren Erfolg der App hat Pokémon Go vor allem ein Schlaglicht auf zukünftige Entwicklungen geworfen. So bleibt das Erlösmodell Niantecs nach wie vor unkommentiert. Auf der technischen Seite zeigte sich, dass das deutsche 4G-Netz dringend eine weitere Ausbaustufe benötigt.

Vor allem zeigte der Erfolg, den das simple Spielprinzip auf Basis von Googles Kartendienst „Maps“ erreicht hat, dass das Thema „Augmented Reality“, die Verknüpfung von Anwendungen mit realen Geodaten und Kamerabildern, inzwischen ausgereift ist und auf fruchtbaren Boden fällt. Ortsbezogene Spiele könnten ein Trend werden, der angesichts gesponserter Inhalte von Restaurants oder Einzelhändlern auch ein attraktives Geschäftsmodell verspricht.

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Monster-Fieber sorgt für neue Realitäten

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Akzeptanz im Massenmarkt

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Renaissance für Nintendo

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