Poker um Fernsehrechte
Keine Chance für Bundesliga-Kanal

Mit einem eigenen Bundesliga-Kanal wollten die Kirch-Firmen KF 15 und Sirius den Sportrechtehandel aufmischen. Doch den Plan haben sie mittlerweile begraben.
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CannesIm Pokerspiel um die Medienrechte der Fußball-Bundesliga gibt es eine überraschende Wendung. Die Kirch-Firma KF 15 und deren Sportrechtetochter Sirius verzichten auf ein Angebot für die Fernseh- und Internetrechte und geben die Pläne eines unabhängigen Bundesligasenders auf. „Im derzeitigen Markt bei den Kabelnetz- und Telekommunikationsunternehmen gibt es keine ausreichende Zahlungsbereitschaft für einen unabhängigen Bundesligakanal, wie wir ihn bereits 2007 gemeinsam mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) geplant hatten. Deshalb haben wir uns gegen ein Angebot für die Medienrechte der Fußball-Bundesliga  entschieden“, sagte Dieter Hahn, Geschäftsführender Gesellschafter der KF 15, dem Handelsblatt (Mittwochsausgabe).

„In der heutigen äußerst intensiven Wettbewerbssituation wollen sich Kabelnetzbetreiber und Telekommunikationsunternehmen nicht auf eine nicht-exklusive Nutzung eines Bundesligakanals einlassen. Dafür ist der Wettbewerb zu hart geworden. Wenn wir eine ausreichende Zahlungsbereitschaft bei den Unternehmen in unseren Gesprächen gesehen hätte, hätten wir bei der DFL ein Angebot abgegeben.“

In Kreisen der Kabelkonzerne wird die Darstellung Hahns unterstützt. „Wir wollen uns nicht einen Bundesliga-Sender mit der Telekom teilen“, hieß es in Unternehmenskreise. Die Kabelbranche bevorzuge exklusive Rechte wie sie bei der laufenden Ausschreibung vorgesehen seien.

Die Entscheidung auf das  Pokerspiel um die Medienrechte und damit auf einen unabhängigen Bundesligasender zu verzichten, hat weitreichende Folgen. KF 15 und Sirius wollen nun den Sportrechtehandel als Geschäftsfeld aufgeben. „Die KF 15 und damit auch Sirius verfolgen keine eigenständige Sportrechtestrategie mehr. Wir ziehen uns aus dem Sportrechtehandel außerhalb der Constantin Medien zurück“, sagte Hahn. Die KF 15 hält 18,65 Prozent der Aktien an Constantin Medien. Hahn, bis zum Ende der Kirch-Gruppe vor zehn Jahren der wichtigste Manager des Medienkonzerns, besitzt persönlich noch ein Aktienpaket von drei Prozent.

Künftig will sich KF 15 nur noch um ihre börsennotierte Tochter Constantin Medien kümmern. „Wir haben seit langem eine alternative Option aufgebaut. In Zukunft wollen wir uns voll auf unsere Beteiligung Constantin Medien konzentrieren“, sagte Hahn. Die in Ismaning bei München ansässige Firma, die vom Schweizer Medienunternehmer Bernhard Burgener geleitet wird, ist sowohl im Film- als auch im Sportgeschäft aktiv. Zu ihr gehört der Filmproduzent Constantin Film und der Sportsender Sport 1 sowie die Sportrechteagentur Team, welche die Champions League und den UEFA-Cup vermarktet. „Die Constantin Medien hat ein sehr großes Sportgeschäft, und wir sehen viele Möglichkeiten, dies weiter zu stärken.“ Als Partner von DFL, Sky und Telekom sei die Gesellschaft, unabhängig vom Ausgang der Bundesligaauktion, ideal positioniert.

Das Ende von Sirius und der Ausstieg aus dem Sportrechtehandel  ist für die Deutsche Fußball Liga (DFL) bitter. Denn die Organisation der 36 Profiklubs, welche die Medienrechte vergibt, braucht möglichst viele Bewerber, um die Preise kräftig nach oben zu treiben. Mit dem Ausstieg der Kirch-Firma fällt nun ein mutiger, risikobewusster Spieler aus. Hinzu kommt womöglich ein Verbreitungsproblem. „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass es eine gemeinsame Auswertung der Medienrechte durch Telekom, Kabel Deutschland und Unitymedia ab der Saison 2013/14 geben wird. Dadurch droht die Reichweite zu sinken“, prognostiziert Hahn. An einen weiteren Preisanstieg für die Medienrechte glaubt er aber fest: „Premium-Inhalte wie die Bundesliga  und die Champions League haben nie ein Preisproblem. Daran wird sich auf in Zukunft nichts verändern.“

 

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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  • Sehe ich komplett anders.

    Tennis und Eishockey sind in der öffentlichen Wahrnehmung deswegen abgestürzt, weil sie eben nicht die "Premium-Sportart" wie der Fußball sind. Gibt es im Tennis keine deutschen Helden mehr oder gefällt die Übertragung nicht mehr, sucht man sich eben ein neues Hobby wie die Formel 1. Glaubt ernsthaft jemand, dass die Deutschen sich vom Lieblingskind Fußball abwenden würden, weil nicht mehr alles live im Free-TV läuft? Dass dann etwa Handball die neue Lieblingssportart wird? Dass sich die Leute vom Sport abwenden, um ihre Freizeit mit Gartenarbeit und Familie zu verbringen?
    Im Übrigen lässt sich die Mediensituation schon allein wegen der Rolle des Internets nicht mehr mit der beim Tennis in den Neunzigern vergleichen.

  • Ich glaube beim Eishockey war es genauso, früher schaute ich gerne die Spiele, jetzt weiß ich nicht mal wer in der Ersten Liga spielt und wer in den Play offs dabei ist.

  • „ …haben nie ein Preisproblem…“

    So kurz kann das Gedächtnis sein.
    Die DFL muss aufpassen, dass sie nicht überzieht. Aktuell läuft die Bundesliga sehr gut. Kommt es jetzt zu einer Reichweitenreduzierung, kann das mittelfristig aber böse ins Auge gehen. Viele Menschen sehen sich die Bundesliga eben kostenlos an und nicht gegen Geld. Verschwindet die Bundesliga aus dem freien Fernsehen, sinkt der Wert erheblich. Es hat seinen Grund, warum die größten Ligen in den USA ihre wichtigsten Spiele alle Live im Fernsehen übertragen….
    Zur Erinnerung, während des damaligen Becker-Tennisbooms, verschwand das Tennis plötzlich aus dem freien Fernsehen. Von den Folgen hat sich das Tennis nie wieder erholt! Beim Fußball ist einer derartig dramatische Entwicklung sicher unwahrscheinlich, nur kann die Liga dabei viel Geld verlieren.

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