PR-Desaster
Das verschmorte Samsung-Smartphone

Um sein Samsung-Smartphone ersetzt zu bekommen, soll ein Kanadier erst eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Millionen von YoutubeNutzern haben die Beweisfilme über den Schmorschaden aber schon im Netz gesehen.
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DüsseldorfManchmal fangen Mobiltelefone Feuer. Das ist ärgerlich, aber angesichts der Masse an verkauften Geräten und der Komplexität der Taschencomputer, kommt so etwas gelegentlich vor. Für die Hersteller wäre es an dieser Stelle wohl das Klügste, jeden Einzelfall zu untersuchen, den Fehler abzustellen und dem betroffenen Kunden auf Kulanz ein neues Telefon zukommen zu lassen.

Für den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung ist das gerade gehörig schiefgegangen. Schuld daran ist aber nicht etwa der erboste Kunde, sondern der Versuch des Konzerns, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren und erst nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung ein Ersatztelefon herauszurücken.

Der Kanadier Richard Wygand lädt normalerweise unter dem Pseudonym „ghostlyrich“ nur Videos von seinen Autobastelaktionen auf seinem Youtobe-Kanal ins Netz. Doch vor einigen Tagen war er über Nacht zu Besuch bei einem Freund. Als er mitten in der Nacht aus dem Schlaf erwachte, roch es auf einmal nach Rauch. Die Ursache fand er im Schlafzimmer seines Freundes. Dort hing ein Samsung Galaxy S4-Smartphone am Ladestrom und hatte einen „Meltdown“ (Kernschmelze), wie Wygand es Handelsblatt Online beschreibt.

Rund um den Ladestecker war das Telefon angeschmort und geschmolzen. Der Telefoneigentümer kontaktierte Samsung und forderte ein Ersatzgerät für das angeschmorte Telefon. Als Beweis für den Defekt drehten Wygand und sein Freund ein Video und luden es auf der Videoplattform Youtube hoch.

Die Antwort von Samsung Kanada verblüffte die beiden Männer. Statt Kundenservice gab es nämlich ein Schreiben vom Anwalt. Der Inhalt lautete zusammengefasst: Lösche das Video, sprich mit niemandem über die Angelegenheit und verzichte auf alle Schadensersatzansprüche – erst dann gibt es ein neues Telefon.

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Das verschmorte Samsung-Smartphone

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Verstörende Verschwiegenheitsklausel

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  • Bin mit den Ausführungen von SoerenGenzler eiverstanden. Samsung ist eine zutiefst asiatische Firma mit entsprechendem kulturellem Hintergrund. Das Gesicht zu verlieren, kommt nicht in Frage, daher die plumpe Regelung des Problems.

    Nun, ich habe auch schon mit namhaften deutschen Autofirmen Garantie Fälle abgewickelt und auch da bin ich nicht pfleglich behandelt worden. Eine Reklamation im Interesse der Firma und des Kunden sauber abzuwickeln ist eine einfache Sache, insofern man weiss wie.

    Eine schnell und zur Zufriedenheit des Kunden abgewickelte Garantie, bringt neue Kunden. Falsch abgewickelt passiert genau das Gegenteil.

    Also, liebe Smartphone Besitzer, Stecker pfleglich behandeln, ab und zu in der USB Aussparung reinpusten, das kostet nicht und verhindert Probleme.

  • Das Problem ist m.E. nicht die verschmorte Micro-USB-Buchse, sondern doch die Art und Weise, wie hier mit Kunden umgegangen wird. Technische Probleme wird es immer wieder geben und mag eine Entwicklungsabteilung noch so sorgfältig arbeiten. Ich bewerte einen Hersteller danach, wie er mit solchen Ereignissen umgeht. Hier hat sich Samsung also einen Bärendienst erwiesen. Die Flucht nach vorn mit gefletschten Zähnen funktioniert im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr wirklich gut. Schon interessant, wenn koreanische Mentalität und kanadischer Mountie-Freigeist aufeinanderprallen. Das Video kann einen linientreuen Samsungianer aber auch auf die Palme bringen. Soviel jugendliche Flapsigkeit - also nein! Eigentlich hätte man bei Samsung wissen sollen, wie die Drohgebärde ausgeht. Die Renitenz steht dem Protagonisten doch ins Gesicht geschrieben. ^^
    Mal noch ein Wort zur Technik: Wenn man einen Micro-USB-Anschluß hart genug behandelt, können sich u.U. sicher Lötstellen und Leiterbahnen lösen und die Übergangswiderstände erhöhen. Im schlimmsten Fall drohen dann solche dokumentierten Effekte. Ich für meinen Teil behandle den Steckverbinder meines Smartphones seit 3,5 Jahren wie ein rohes Ei - und warte immer noch auf den, der einen flexiblen USB-Stecker am Ladekabel anbietet, damit kein Schaden entstehen kann. Vielleicht ist ja Samsung der erste? Dann noch Kwech abschaffen und ich werde Kunde - vielleicht.

  • @Ingenius: das ist interessant. Welchen Nachbau-Akku hatte denn Ihr S4, daß es abgebrannt ist?

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