Pro-Sieben-Chef
„Wir arbeiten an einem Sender für Ältere“

Thomas Eberling präsentiert eine neue Strategie, um junge Zuschauer ins werbefinanzierte TV zu locken. Und der Vorstandschef von Pro Sieben Sat 1 hat sich auch für ältere Zuschauer eine große Neuerung überlegt.
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Herr Ebeling, wer junge Leute mit ihren Smartphones und Tablet-PCs in den USA beobachtet, stellt schnell fest: Auf den kleinen Bildschirmen wird ständig ferngesehen. Gibt es eine ähnliche Entwicklung auch in Deutschland?

Ihre Beobachtung stimmt nur zum Teil. Viele Menschen sehen auf ihrem internetfähigen Handy meist nur kurze Videos an oder unterhalten sich mit Spielen. Lange TV-Formate werden selten gesehen. Doch eines ist klar: Es wird eine verstärkte Nutzung von audiovisuellen Inhalten über mobile Endgeräte geben, in den USA wie in Deutschland. Bei uns wird diese Entwicklung vermutlich drei bis Jahre länger dauern.

Droht dem linearen Fernsehen dann eine ähnliche Entwicklung wie vor einem halben Jahrhundert dem Kino? Es verlor rapide an Bedeutung.

Nein, das lineare Fernsehen ist quicklebendig und wird es auch bleiben. Denn es wird immer Menschen geben, die sich lieber auf dem Sofa zurücklehnen wollen als ständig nach neuen Inhalten zu suchen. Natürlich stimmt es, dass junge Menschen viel Zeit mit mobilen Geräten verbringen. Doch das ist nur eine Lebensphase. [Lacht.] Ab dem 25. Lebensjahr ändert sich das Nutzungsverhalten meist zu Gunsten des linearen Fernsehens.

ARD und ZDF leiden unter der Überalterung ihrer Zuschauer jenseits von 60 Jahren. Aber auch das Publikum der Privatsender wird älter. Das ist gefährlich für die Werbevermarktung. Kommt auf Sie so eine Art Methusalem-Komplott zu?

Privatsender reflektieren die Alterspyramide unserer Gesellschaft. Ich würde mir nur Sorgen machen, wenn unsere Sender sehr viel älter wären als der demographische Durchschnitt. Doch diese Gefahr sehe ich für Pro Sieben Sat 1 und das Privat-TV generell nicht. Aber ich sage ganz klar, wir müssen künftig verstärkt dafür sorgen, dass junge Menschen an das Fernsehen heran geführt werden.

Wie soll denn das in der Praxis geschehen?

Wir stellen unsere Medienangebote um den Kern unseres Geschäfts auf, also Fernsehen. Wir positionieren zum Beispiel unsere Videoplattform MyVideo wie unseren fünften Sender, weil wir wissen, dass viele junge Menschen mit dem Laptop auf den Knien medial sozialisiert werden. Deshalb werden wir künftig bei MyVideo natürlich weiter interaktive Elemente einsetzen, aber eben auch lineare aus dem herkömmlichen Fernsehen nutzen. Beispielsweise zeigen wir Serien wie „Spartacus“ zuerst auf MyVideo und erst danach auf ProSieben. Wir hatten 14 Millionen Downloads und zudem eine starke TV-Nutzung.

Schon bald wird SmartTV die heimischen Wohnzimmer beherrschen. Ist die neue Generation an internetfähigen Fernsehgeräte ein riesige Gefahr, denn Zuschauer werden ins Netz gelockt oder eher eine Chance?

SmartTV ist eine Chance, obwohl bis 2015 vermutlich nur die Hälfte der Haushalte ein solches Gerät nutzen wird, und davon wieder nur die Hälfte die Verbindung zum Netz herstellt. Wir können so unsere Angebote noch besser verzahnen. Auf der anderen Seite birgt SmartTV auch eine Gefahr. Denn es könnten sich monopolistische Strukturen, die wir aus dem Netz kennen, herausbilden, was dem Wettbewerb schadet. Wenn die Politik ihre Hausaufgaben macht, werden die Chancen aber größer als die Gefahren sein.

Kommentare zu " Pro-Sieben-Chef: „Wir arbeiten an einem Sender für Ältere“"

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  • Anreiz zu Kreativen höchst Leistungen im Show Business?
    Piraten sind sehr wohl für Investionsschutz für Firmen und technisxhrn Patenten. Die Marke Deutschland wird im Ausland haupsächlich durch Technik, Sport und den alten Großen Dichter und Denker hochgehalten. Keiner kommt wegen dem Tatort oder Batei Lübbe. Stefan Raab als Remixer ist vielleicht noch mit der Maus und Wadde hadde Dudde da aufgefallen. Mit härteren Urheberrechten hätte er das aber nie verwenden dürfen.

  • Ich lese fast nur sehr subjektive Kommentare zum Fernsehprogramm, und das seit Jahren. Die Privaten kann man in der Tat wirklich meist vergessen, schon wegen der Werbung und des niedrigen Niveaus. Aber ARD und ZDF und die Dritten und jetzt auch die neuen wir Neo, Festival etc. in einen Topf zu werfen und zu benörgeln, das geht mir zu weit. ich bin höchst zufrieden mit all den Angeboten an Magazinen wie Fakt, Panorama, Markt etc, an interessanten Talkrunden, Naturdokus, Filmen, Krimis (Tatort, Bella Block, Wallander etc.) und und und.. Wenn man will, kann man imemr etwas Interessantes finden; wenn viele Leute meckern, lässt das eher auf deren Geschmack als auf das Angebot schließen.
    Und zum Synchronisieren: Ich z. B. kann nur gucken oder lesen, nicht beides; mein Englisch reichte nicht aus, das Verstehen macht oft wegen des Genuschels mancher Darsteller oder der lauten Nebengeräusche große Probleme... Man sieht, es lässt sich nicht verallgemeinern!

  • Lieber Thomas Eberling,

    ich frage mich wie Sie zu der fragwürdigen Feststellung kommen, dass die große Mehrheit der deutschen Zuschauer synchronisierte Programme erwartet und Filme und Serien mit Untertiteln nichts für sie sind???

    Doch wohl eher das Gegenteil ist der Fall! Ein großer Teil der Zuschauer möchte Filme im Original und mit deutschen Untertiteln sehen! Warum boomen denn wohl die Kinos, die Filme in OV-Versionen zeigen? Oder warum kaufen sich so viele Menschen DVDs?

    Ich finde es unterträglich dass z.B. Hulu in Deutschland blockiert wird - Herrn Eberling und den anderen Fernseh-Bossen sei dank. Und das nicht etwa weil Herr Eberling so um seine Zuschauer besorgt ist. Nein, auch das Urheberrecht schert Herrn Eberling nur wenig. Das einzige um was Herr Eberling besorgt ist sind seine sinkende Einschalt-Quoten.

    Lieber Herr Eberling, mit solch einer Firmenpolitik müssen Sie sich nicht wundern wenn illegale Filmplattformen Hochkonjunktur haben.

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