Pro Sieben, RTL & Co. bangen um ihren guten Ruf
Kampf gegen das Unterschichten-TV

TV-Lästermaul Harald Schmidt hat seine Finger tief in die Wunde der Privaten gelegt. Der aus Gebühren finanzierte Talkmaster hat derartigem Programm frech das Etikett „Unterschichtenfernsehen“ verpasst. Nun schlagen die Privaten zurück.

DÜSSELDORF. Die Burgdame, an deren geteertem Körper am Ende die meisten Federn kleben, verliert. Zur Strafe muss sie die Nacht ohne Bettzeug verbringen. An solch geschmacklose TV-Duelle wie dieses zwischen Tina und Andrea bei der umstrittenen Reality-Sendung „Die Burg“ erinnern sich Werbezeitenverkäufer von Pro Sieben nur ungern.

TV-Lästermaul Harald Schmidt hat seine Finger tief in die Wunde der Privaten gelegt. Der aus Gebühren finanzierte Talkmaster hat derartigem Programm frech das Etikett „Unterschichtenfernsehen“ verpasst. Ein Scherz, über den die Manager in den Vorstandsetagen von Pro Sieben Sat 1 und der Kölner RTL-Konkurrenz in diesen schweren Werbezeiten nicht lachen können. „Die Diskussion um das angebliche Unterschichtenfernsehen ist einseitig und falsch. Die Dschungelshow haben mehr junge Akademiker eingeschaltet als die Tagesschau“, sagte RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler gestern dem Handelsblatt. „Das ist am Rande der Geschäftsschädigung“, warnt ein Sprecher der Pro-Sieben-Werbetochter.

Nun schlagen die Privaten zurück. Im Kampf gegen Harald Schmidt und sein „Unterschichten-TV“ nehmen sie Empirie zu Hilfe. Nach einer Studie der Nürnberger GfK-Marktforscher im Auftrag von Pro Sieben Sat 1, die dem Handelsblatt vorliegt, wird die Meinung widerlegt, dass vor allem Geringverdiener mit niedrigem Bildungsgrad Privat-TV bevorzugen. Aus der Untersuchung geht hervor, dass beispielsweise alle 16 Folgen der „Burg“ von mehr Besserverdienenden gesehen wurden als die ZDF-Nachrichtensendung „Heute“. Laut GfK haben Einkommen, Beruf und Bildung keinen Einfluss darauf, ob ARD und ZDF oder die Privaten den Bildschirm beherrschen. „Als Gattung müssen wir die Qualität unserer Programme stärker kommunizieren“, fordert Zeiler.

Bei den Mediaagenturen, die im Auftrag ihrer Werbekunden Jahr für Jahr rund vier Mrd. Euro für Reklame im deutschen Fernsehen ausgeben, löst der Streit eher Achselzucken aus. Jürgen Blomenkamp, Chef der Agentur Mediacom, sagt lapidar: „Das ist ein typisch deutsche Diskussion. Schlecht gemachter TV-Trash läuft eben schlecht.“ Vielleicht war das der wahre Grund, weshalb Pro Sieben zuletzt bei Kunden und Zuschauern auf die Nase fiel.

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