Qimonda-Krise
Infineon hofft auf Bundesregierung

Angesichts der schweren Wirtschaftskrise hat sich nach Opel auch die Infineon-Tochter Qimonda an die deutsche Bundesregierung gewandt. Die kritische Situation bei Qimonda ist offenbar auch der Bundesregierung bekannt. Unterdessen schloss Qimonda den Verkauf seiner Anteile am taiwanesischen Wettbewerber Inotera an den US-Chiphersteller Micron ab.

HB BERLIN. Wie die Deutsche Presse- Agentur dpa am Mittwoch aus Branchenkreisen erfuhr, trafen sich der Chef des Qimonda-Mutterkonzerns Infineon Technologies, Peter Bauer, und Infineon - Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Eine Ministeriums-Sprecherin sagte auf Anfrage: "Es werden derzeit Gespräche mit Vertretern aller Branchen geführt." Zur Situation einzelner Firmen wollte sie sich nicht äußern. Ein Sprecher von Infineon wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Der Dax-Konzern Infineon hatte Qimonda vor längerer Zeit als eigenständiges Unternehmen mit mehr als 13 000 Beschäftigten ausgegliedert, hält aber noch 77,5 Prozent der Anteile. Den Informationen zufolge erörterten Glos und die Infineon-Topmanager die wegen der Wirtschaftskrise verschärfte Situation von Qimonda. Es sei noch offen, wie mögliche Hilfen für das Unternehmen aussehen könnten. Es würden verschiedene Optionen geprüft. Dazu soll auch die Möglichkeit staatlicher Bürgschaften zählen.

Eine wichtige Rolle spielt die sächsische Landesregierung. Qimonda produziert auch in Dresden und hat dort bereits einen massiven Stellenabbau angekündigt. Zu den Optionen könnte zählen, dass sich das Land direkt an Qimonda beteiligt, um den Untergang des Unternehmens zu verhindern, hieß es.

Sachsen hatte mit hohen Fördergeldern Halbleiter-Hersteller wie Infineon und AMD nach Dresden gelockt. Der Verlust tausender Jobs würde die ostdeutsche Wirtschaftshochburg hart treffen. Glos will dem Vernehmen nach demnächst auch mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) die Lage von Qimonda besprechen.

In einer der dpa vorliegenden Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag schrieb das Wirtschaftsministerium, der Bundesregierung sei bekannt, dass die Situation von Qimonda schwierig sei. "Alle Beteiligten suchen derzeit nach einer Lösung. Die Bundesregierung hat schon in der Vergangenheit alles Notwendige für den Standort Dresden getan und wird dies auch in Zukunft tun."

Qimonda hatte in den vergangenen Quartalen wegen des massiven Preisverfalls bei Speicherchips nur Verluste eingefahren und auch Infineon die Bilanz verhagelt. Infineon sucht daher seit langem nach einem Käufer für die defizitäre Tochter. Erschwert werden die Bemühungen durch die weltweite Rezession und den knallharten Wettbewerb bei Speichermedien.

Qimonda hatte bereits bekanntgegeben, 3 000 Arbeitsplätze streichen zu müssen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Deutschland. Allein in Dresden fallen mehr als 900 Stellen weg, weitere rund 600 am Hauptsitz in München. Die Infineon-Spitze machte seinerzeit deutlich, dass das Tochterunternehmen nicht um jeden Preis erhalten werden solle.

Unterdessen schloss Qimonda den Verkauf seiner Anteile am taiwanesischen Wettbewerber Inotera an den US-Chiphersteller Micron ab. Insgesamt fließen 400 Mio. Dollar in die klamme Kasse der Münchner. Aus dem Verkauf ergibt sich aber ein Buchverlust von 300 Mio. Euro, der noch im Ende September abgelaufenen vierten Geschäftsquartal verbucht wird.

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