Regulierer-Entscheidung
Telekom muss Konkurrenz ins VDSL-Netz lassen

Für rund drei Milliarden Euro baut die Deutsche Telekom derzeit ein schnelles Glasfasernetz für VDSL-Anschlüsse beim Endkunden. In den Genuss dürften aber auch die Konkurrenten kommen, denn der Ex-Monopolist muss nach einer Entscheidung der Bundesnetzagentur die Hochgeschwindigkeitsleitung für Wettbewerber öffnen.

HB FRANKFURT. Mit der am Mittwoch veröffentlichten Verfügung folgt die Regulierungsbehörde der Ansicht der EU-Kommission, wonach der Telekom-Riese seinen Konkurrenten auch für die neue VDSL-Infrastruktur den so genannten Bitstrom-Zugang gewähren muss. Er ermöglicht es den Telekom-Konkurrenten eigene Internet-Produkte anzubieten, ohne dabei die Telefonleitung mitzumieten. Die Bundesnetzagentur hält eine Ausnahme von der Regulierung weiter nur dann für möglich, wenn die Telekom über das VDSL-Netz neue Produkte anbietet, die mit niedrigeren Übertragungsraten nicht möglich sind. Solche Produkte seien der Bundesnetzagentur von der Telekom aber bislang nicht vorgestellt worden, erläuterte eine Behördensprecherin.

Die Behörde werde die Notwendigkeit einer Regulierung erneut prüfen, wenn der Konzern Produkte über sein VDSL-Netz anbiete, ergänzte die Sprecherin. Denn erst dann könne abschließend bewertet werden, ob dadurch ein „neuer Markt“ entsteht. Neue Produkte soll es im Oktober geben: Dann will die Telekom das Angebot T-Home starten, das Telefonie, Internet und Unterhaltung verbindet. Ein Teil der Unterhaltungsangebote soll nur über das VDSL-Netz angeboten werden. T-Com-Chef Walter Raizner hatte neben der Unterhaltung auch weitere Anwendungsmöglichkeiten skizziert: Einsatzfelder für das VDSL-Netz seien etwa das Gesundheitswesen, der Bildungsbereich oder die Arbeitswelt.

Bislang hat die Telekom ihr Breitbandnetz in zehn deutschen Ballungsgebieten mit Glasfaser aufgerüstet. Den weiteren, bis zu drei Mrd. Euro teuren Aufbau des VDSL-Netzes knüpft sie unter anderem an eine zumindest vorübergehende Ausnahme von der Regulierung. Unterstützt wird sie dabei von einem Gesetzentwurf der Bundesregierung, der bei der EU-Medienkommissarin Viviane Reding jedoch auf Kritik stößt. „Unsere Rechtsauffassung ist klar, daran hat sich nichts geändert“, sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Mittwoch. Der umstrittene Gesetzentwurf ist Teil des neuen Telekommunikationsgesetzes, das in der nächsten Woche im Bundestag beraten wird.

Die Äußerungen der Bundesnetzagentur zeigten, dass die Telekom dringend eine gesetzliche Herausnahme von neuen Investitionen aus der Regulierung brauche, da sie sonst keine neuen Geschäftsfelder entwickeln könne, sagte ein Telekom-Sprecher.

Seite 1:

Telekom muss Konkurrenz ins VDSL-Netz lassen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%