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Das Duell: Europa gegen USA

EU vs. Microsoft: Seit Montag wird in Luxemburg das größte und spektakulärste Kartellverfahren aller Zeiten verhandelt. Egal, wer gewinnt – der Fall wird verheerende Folgen für den Verlierer haben. Ein Handelsblatt-Report.

LUXEMBURG. Wäre dies eine Geschichte für Kinder, sie hieße „Räuber und Gendarm“. Sie würde von einem Mann erzählen, der mit einer genialen Erfindung unermesslich reich und mächtig geworden ist. Sie würde vom Missbrauch dieser Macht künden und von einem edlen Ritter, der unerschrocken für das Gute kämpft.

Das ist die Geschichte, wie sie die EU-Kommission gerne hätte, und natürlich ist sie darin der Ritter. Es gibt aber noch eine zweite Version. In ihr wird der Erfinder von einer geltungssüchtigen Behörde um die verdiente Frucht seiner Arbeit gebracht. Das ist die Geschichte, wie sie Microsoft erzählt.

Es gibt keine Brücke zwischen diesen beiden Sichtweisen und auch kein einfaches Gut und Böse wie in einer Kindergeschichte. Denn der Gegenstand des Streits zwischen der EU und Microsoft ist so komplex, dass jeder sich darin seine eigene Wahrheit zurechtzimmern kann. Hat der US-Softwarekonzern seine Macht missbraucht, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, wie die Kartellwächter der Kommission behaupten? Oder wird hier, wie Microsoft kontert, ein erfolgreiches Unternehmen zur Preisgabe seines geistigen Eigentums gezwungen?

Die Entscheidung wird im „Großen Saal“ des EU-Gerichts Erster Instanz fallen, einem holzgetäfelten Raum mit lindgrün gepolsterten Zuschauerreihen aus den achtziger Jahren, der an die Spielstätte eines Stadttheaters in der Provinz erinnert.

Es ist Montagmorgen, die mündliche Verhandlung im Fall T-201/04 hat soeben begonnen. Microsoft-Anwalt Jean-François Bellis zerpflückt den Vorwurf der Kommission, der Softwarekonzern habe sein Musikabspielprogramm Media-Player gemeinsam mit dem Betriebssystem Windows verkauft, um den Rivalen Real Networks und seinen Real-Player vom Markt zu drängen. „Fundamentale Fehler in der Analyse“, wirft der Jurist den Brüsseler Kartellwächtern vor. „Auch Schuhe und Schnürsenkel werden gemeinsam verkauft, ohne dass dies rechtswidrig wäre.“

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