Rundfunk
ORF droht die Pleite

Österreichs öffentlich-rechtlicher Rundfunksender ORF muss sparen. Nach einem Verlust von 80 Mio. Euro im vergangenen Jahr, muss das Aufsichtsgremium nun über einen Sanierungsplan entscheiden. Intendant Wrabetz steht vor der Ablösung.

WIEN. Österreichs öffentlich-rechtlicher Rundfunksender ORF steht vor einer entscheidenden Woche. Am Donnerstag kommt der Stiftungsrat (Aufsichtsrat) zusammen, um über die Zukunft des Unternehmens zu entscheiden. Der ORF ist durch seine wirtschaftlichen Probleme massiv unter Druck geraten. Auch dem Intendanten Alexander Wrabetz droht die Ablösung.

Bei einem Umsatz von etwa 900 Mio. Euro hat der ORF im vergangenen Jahr einen Verlust von 80 Mio. Euro geschrieben. Im Unterschied zu öffentlich-rechtlichen Unternehmen in Deutschland bestreitet der Sender einen weitaus größeren Teil seiner Einnahmen aus Werbung: Bei ARD und ZDF sind es nicht einmal zehn Prozent, beim ORF ungefähr ein Drittel. Aktuell verliert der Wiener Sender durch die Wirtschaftskrise Werbeeinnahmen. Zusätzlich setzen dem ORF die deutschen Privatsender RTL und Pro Sieben zu, die eigene Werbefenster für Österreich ausstrahlen können. Dem ORF bleibt nichts anderes übrig, als massiv zu sparen.

Intendant Wrabetz will dem Stiftungsrat am Donnerstag ein Sanierungsprogramm präsentieren. „Der ORF hat eine Zukunft, eine Neuausrichtung ist möglich“, sagte er im Vorfeld. Teile des Sanierungspakets sind schon durchgesickert. So will Wrabetz einen zentralen Newsroom (Redaktion) für den gesamten Sender schaffen, der alle Sparten aus einer Hand bedient. Bislang haben Fernsehen, Radio und Internet noch eigene Redaktionen. Der Intendant verspricht sich davon Einsparungen beim Personal. Im Moment hat der ORF noch gut 3 000 Mitarbeiter, was etwa der Größe des Bayerischen Rundfunks entspricht.

Zudem will Wrabetz erreichen, dass die ORF-Pensionäre auf einen Teil ihrer Renten verzichten. Ob Wrabetz diese Forderung beim einflussreichen Betriebsrat durchsetzen kann, gilt in Wien als fraglich. Der ORF-Chef wünscht sich auch ein Entgegenkommen des Staates: Die Kosten für die Gebührenbefreiung sozial schwacher Haushalte solle künftig die Wiener Regierung übernehmen.

Außerdem will der ORF eine regelmäßige Erhöhung der Rundfunkgebühren erreichen. SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann ließ am Dienstag durchblicken, dass der Staat die Gebührenbefreiung übernehmen könnte. Ziel müsse es sein, „die Sicherung des ORF“ zu gewährleisten und den ORF vor der Lage zu schützen, „einen oder zwei Sender verkaufen zu müssen“.

Seite 1:

ORF droht die Pleite

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%