Samsung wandelt sich vom Plagiator zum Innovator – und der Staat ist immer dabei
Der koreanische Weg

Nur wenige Unternehmen haben sich in wenigen Jahren so dramatisch verändert wie der koreanische Elektronik-Riese Samsung. Auferstanden aus den Ruinen der Asienkrise, gewachsen mit Nachahmerprodukten, ist die Samsung Electronics Co. heute Innovator in Technik und Design.

Samsung reagiert nicht auf Märkte. Mit zuletzt 55,6 Milliarden Dollar Umsatz und 10,3 Milliarden Dollar Nettogewinn macht der Multi Märkte. Gerade hat er 33 Milliarden Dollar Investitionen in seine Halbleiterwerke angekündigt, eindrucksvolles Signal der Stärke.

Beispiel NAND-Speicher, Chips, die in MP3-Spielern, Digitalkameras oder Mobiletelefonen stecken. Zuerst verunsichern die Koreaner die Märkte mit angekündigten Preissenkungen von 60 Prozent, obwohl sie über 50 Prozent des NAND-Marktes halten, traumhafte Gewinne einfahren und ihre Umsätze mit NAND-Chips um über 50 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar anziehen sollen. Damit wird der Spielraum eng für Konkurrenten wie Infineon, die gerne noch einsteigen würden.

Dann erhält fährt Samsung einen Riesenauftrag von Apple – 40 Prozent der NAND-Produktion werden im zweiten Halbjahr wohl nur in iPods wandern – und verkündet, nun müsse man die Preise nicht mehr so stark senken, vielleicht nur um 40 Prozent. Das hält die Konkurrenz im Zaum und hilft Samsung, die Gewinne dennoch hochzufahren und so den Preisdruck in der Konsumelektronik abzufedern. Ein mörderischer Wettbewerb bei Mobiltelefonen und bei Flach-TV-Geräten setzt allen Herstellern zu.

Auch hier überlebt nur, wer investiert, forscht und die Preise senkt. Und wieder ist Samsung – auch dank der Gewinne der Chipsparte – vorne dabei. Selbst Sony, Innovator des vergangenen Jahrhunderts, muss sich mit den Koreanern verbünden, um nicht hinter den aktuellen Stand der Flachbildschirm-Entwicklung zurückzufallen.

Nur mit klugem Management lässt sich der Erfolg nicht erklären. Samsung ist fester Teil eines gigantischen Technologieparks mit Namen Südkorea. Milliarden Euro hat Korea dafür ausgegeben, das am dichtesten verkabelte Land der Erde zu werden. Drei von vier Haushalten verfügen über Breitbandanschlüsse und jetzt fließen Milliarden in die Kabellos-Technik. Digitales Handy-TV – entwickelt in Deutschland – ist ein Renner auf Seouls Straßen. Selbst Microsoft hat ein erstes Forschungslabor für Funktechnik in Korea eröffnet.

Und mittendrin Samsung. Eng verflochten mit Entscheidungsträgern, Universitäten und – dem Staat. Als ein deutscher Samsung-Manager einmal abends aus dem Fenster seines damaligen Büros in Korea schaute, fuhr ihm der Schreck in die Glieder. Lastwagen mit Soldaten fuhren auf den Hof. Ein neuer Koreakrieg? Putsch? Nein. Eine Abteilung des Werks zog in ein neues Gebäude um. Die Uniformierten aus der nahen Kaserne schleppten in Windeseile PC, Stühle und Tische und verschwanden, wie sie gekommen waren. Bei Infineon wäre eine dicke Umzugsrechnung fällig gewesen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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