Satellitenfernsehen
Neue Mautstelle

Satellitenfernsehen war immer gratis. Doch das ändert sich nun stückweise. Das Publikum soll fürs Schauen zahlen, so will es der Astra-Betreiber. Mit RTL und MTV ist er schon handelseinig. Die beiden Senderfamilien werden als erstes Geld für ihr Programm verlangen. Das Ganze ist eine Goldgrube. Eine Analyse.

Die Maut ist eine beliebte Einnahmequelle. Im Mittelalter erhoben selbst kleine Fürstentümer einen Wegezoll. Die Höhe des Obolus richtete sich angeblich nach dem Finanzbedarf für den Bau von Straßen und Brücken. Doch in Wahrheit wurde der Reisende dort abkassiert, wo es zur mautpflichtigen Brücke keine Alternative gab. Ein Monopol erweist sich eben seit jeher als gutes Geschäft.

Deshalb wird nun auch im Großherzogtum Luxemburg die Maut neu entdeckt. Der weltgrößte Satellitenkonzern SES mit einem Quasi-Monopol in Deutschland wird im nächsten Jahr einen Wegezoll für den Empfang digitaler TV-Programme verlangen. Zwischen 3 und 3,50 Euro monatlich beträgt der Obolus, um die Infrastruktur des digitalen Fernsehens zu finanzieren und Raubkopien zu verhindern. So heißt es zumindest nach offizieller Luxemburger Lesart.

Tatsächlich geht es bei der neuen Mautstelle für das Satellitenfernsehen um mehr. SES, in Deutschland vor allem unter dem Namen Astra bekannt, strebt einen Paradigmenwechsel an: statt frei zu empfangendes nur noch verschlüsseltes Fernsehen. Bisher waren alle wichtigen Fernsehprogramme unkodiert und gratis zu empfangen. Das „Fernsehen ohne Grenzen“, wie es einst von der EU gefordert wurde, ist seit zwei Dekaden Realität. Nun droht der Rückfall in die Kleinstaaterei.

Die Erfüllung eines Traums

Für SES könnte die neue Mautstelle an der Parabolantenne zur Goldgrube werden. Wenn künftig die Sender kodiert werden, eröffnen sich ganz neue Geschäftsmodelle. Denn für den Empfang von verschlüsselten Programmen per Satellit benötigt der Kunde nicht nur eine Schüssel und ein Empfangsgerät, sondern auch eine Zugangskarte, von der Branche Smartcard genannt, mit einer entsprechenen Registrierung. So erfüllt sich für SES ein Traum. Der schnell wachsende Satellitenbetreiber verfügt endlich über Endkundenkontakte, mit denen sich prächtig Geld verdienen lässt.

Wie so etwas geht, hat einst Bertelsmann vorgemacht. Aus einem Buchklub mit einer riesigen Adressenkartei wurde der größte Medienkonzern Europas. Nur wer seine Kunden und ihre Konsumverhalten genau kennt, kann neue Bedürfnisse wecken und damit Kasse machen.

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