Schlechte Stimmung bei Yahoo
Das Dilemma der kreativen Geister

Die Yahoo-Mitarbeiter scheuen eine Zukunft mit Microsoft und wissen doch, dass ihr eigenes Management keine bessere Zukunft bieten kann. Der Frust der Belegschaft, die das eigentliche Kapital des Unternehmens sind, wächst immer mehr.

SUNNYVALE. Die Wohnung im Silicon Valley ist fast leer. Das auffälligste ist ein moderner Computer. Vor dem sitzt der Software-Ingenieur am liebsten. Dabei geht es John gut. Ein sechsstelliges Gehalt landet jährlich auf seinem Konto. Kommt es zur Übernahme seines Arbeitgebers durch Microsoft, wäre es noch mehr. Dann wäre der Mann auf einen Schlag Millionär. Doch glücklich macht ihn der Gedanke nicht. „Wir fürchten, dass Microsoft den kreativen Geist, den es bei Yahoo immer noch gibt, ersticken würde“, sagt der Softwareingenieur.

Für viele der rund 14 500 Beschäftigten von Yahoo ist das Übernahmegerangel zwischen dem einstigen Internet-Star Yahoo und dem Softwarekonzern Microsoft ein Grund, ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand zu bringen. Denn während die Frustration über die Führungsschwäche im eigenen Management groß, aber noch erträglich ist, tendieren die Neigungen, für einen Großkonzern mit über 90 000 Angestellten zu arbeiten, gegen Null.

Eine Situation, die das Yahoo-Management ausnutzen will. Üppige Abfindungen soll es geben für jene, die nach einem Besitzerwechsel ihre Koffer packen müssten. Das würde die Übernahme nicht nur verteuern, es würde das Objekt der Begierde auch unattraktiver machen. Doch diese Abwehrtaktik ist riskant, schließlich ist der Frust der Yahoo-Mitarbeiter eh schon groß, auch ohne das Damoklesschwert Microsoft.

Wie bei John. Yahoo heuerte ihn vor Jahren frisch von der Elite-Universität von Chicago an. Bereits in der Highschool schrieb er Computerprogramme. Doch jetzt weiß er nicht, wie es weiter gehen soll. Selbst wenn Yahoo unabhängig bleiben sollte, ist er nicht besonders optimistisch: „Unser Management macht seit Jahren krasse Fehler, und ich sehe nicht, dass es besser wird.“

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