Schwacher TV-Markt
ProSiebenSat.1 nimmt Konzernstruktur unter die Lupe

Die Werbeeinnahmen im TV-Markt entwickeln sich für ProSiebenSat.1 unter den Erwartungen. Die Hoffnungen liegen nun vor allem im Digitalbereich. Eine mögliche Strukturänderung des Konzerns soll Einsparungen ermöglichen.
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MünchenEin schwacher TV-Markt macht ProSiebenSat.1 weiterhin zu schaffen. Wie der Münchner Medienkonzern am Montagabend mitteilte, entwickeln sich die Werbeeinnahmen im dritten Quartal unter den bisherigen Erwartungen. Das Management sieht den deutschen TV-Werbemarkt im Jahr 2017 nur noch auf Vorjahresniveau, nach einem bisher in Aussicht gestellten Wachstum am unteren Ende der Spanne von 1,5 bis 2,5 Prozent. Gleichzeitig setzt das Unternehmen aber auf ein gut laufendes Digitalgeschäft sowie auf eine Erholung der TV-Werbung zum Jahresende hin und bestätigte die Umsatz- und Gewinnziele. Die Aktien gerieten auf der Handelsplattform Tradegate dennoch unter Druck.

Der Umsatz soll 2017 weiterhin im Vergleich zum Vorjahreswert von 3,8 Milliarden Euro mindestens im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll ebenfalls zulegen. Hier hatte der Konzern im vergangenen Jahr 1,02 Milliarden Euro erreicht.

ProSiebenSat.1 will nun die Konzernstruktur unter die Lupe nehmen, um sich besser auf den Wandel der Medienlandschaft auszurichten. Schwerpunkt sei eine mögliche Kombination der TV-Aktivitäten mit den Online-Unterhaltungsplattformen zu einer Unterhaltungssparte. Hiervon verspricht sich das Management mittelfristig spürbare Einsparungen. Unter anderem mit Blick auf das Produktionsgeschäft gebe es Überlegungen, Investoren ins Boot zu holen. Denkbar sei auch, einzelne Bereiche an die Börse zu bringen.

Im bis Ende September laufenden dritten Jahresviertel rechnet der Konzern im TV-Geschäft nun mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich im Vergleich zum Vorjahreswert von 472 Millionen Euro. Konzernweit sollen die Erlöse aber auch dank der Digital- und Produktionsgeschäfte wie bisher geplant im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Hier wurden vor Jahresfrist 857 Millionen Euro erreicht. Beim bereinigten Ebitda wollen die Münchner erneut in etwa 202 Millionen Euro erzielen.

Bei den Prognosen für das laufende Quartal ist bereits der Verkauf des vor allem in Skandinavien starken Flugticket-Portalbetreibers Etraveli berücksichtigt, hieß es weiter. Dem dadurch erzielten Gewinn von rund 319 Millionen Euro stünden aber reduzierte Bewertungen von Teilen des Programmvermögens gegenüber. Der Verkauf von Etraveli für rund eine halbe Milliarde Euro an den Finanzinvestor CVC Capital Partners war im Juni bekannt gegeben worden. Das Geld soll in den Ausbau anderer Beteiligungen und den Kauf neuer Online-Geschäfte investiert werden.

Den Anlegern schien am Abend vor allem der vorsichtigere Werbeausblick sauer aufgestoßen zu sein. Die Papiere fielen auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Schluss des Xetra-Hauptgeschäfts um rund ein Prozent auf 32,35 Euro und näherten sich damit bis auf rund ein Euro dem tiefsten Stand seit Ende November. Die Angst vor einem schwachen Werbegeschäft lastet schon länger auf den Aktien. Mit einem Minus von rund 10,7 Prozent zählen sie im bisherigen Jahresverlauf zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex Dax.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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