Sehr attraktiver Markt
RTL steht vor Einstieg bei russischem Sender

Die RTL Group steht kurz vor dem Einstieg in den russischen Fernsehmarkt. Europas größter TV-Konzern will sich beim russischen Fernsehsender Ren TV einkaufen. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen soll die zum Medienkonzern Bertelsmann gehörende RTL-Group 49,99 Prozent an dem Moskauer Sender bekommen. Der Preis soll bei rund 100 Mill. Euro liegen, hieß es in den Unternehmenskreisen. In Moskau gibt es hingegen sehr unterschiedlichen Angaben über einen möglichen Kaufpreis.

HB DÜSSELDORF/MOSKAU. In Verhandlungskreisen wird ein Abschluss mit der Bertelsmann-Tochter noch im Mai erwartet. „Das ist durchaus wahrscheinlich“, hieß es in RTL-Kreisen. RTL wollte sich auf Anfrage nicht zum Stand des Engagements äußern. Auf Seiten von RTL führen Finanzvorstand Thomas Rabe und Vorstandschef Gerhard Zeiler derzeit die Verhandlungen. RTL spricht mit den Eigentümern bereits seit 2004. Doch noch sind zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Knackpunkte der Gespräche sind die Entwicklung eines Business-Planes, die künftige Managementstruktur des Sender und die genauen Eigentümerverhältnisse. „Im Kern geht es darum, wie der Sender zu führen ist und mit welchen Zielvorhaben“, sagte ein Verhandlungsteilnehmer.

Mit dem Einstieg bei Ren-TV wäre zum ersten Mal ein europäischer Medienkonzern bei einem frei empfangbaren Fernsehsender in Russland beteiligt. Bisher schien es politisch unmöglich, dass sich ein ausländischer Investor zum Großaktionär eines russischen TV-Kanals aufsteigt. Am nötigen Geld für die Expansion nach Russland wird es bei RTL nicht mangeln. „Wir haben so viel Geld, wie wir für ein neues Investment eben brauchen“, sagte ein Finanzmanager. Für die Bertelsmann-Tochter wäre der Einstieg ein wichtiger Schritt. Gespräche über einen Einstieg bei tschechischen und polnischen Fernsehunternehmen scheiterten in der Vergangenheit

Bertelsmann-Chef Gunter Thielen hatte mehrmals auf die strategische Bedeutung Osteuropas hingewiesen. Der Medienriese Bertelsmann will sein Wachstumstempo forcieren. Der Konzern erwarte durch Zukäufe einen Umsatzschub von 600 bis 700 Mill. Euro, sagte Thielen vor wenigen Wochen. Mit dem Erwerb von Ren TV gelänge RTL der Einstieg in einem der am stärksten wachsenden Fernsehmärkte in Europa. Ren TV wird in 800 russischen Städten ausgestrahlt, erreicht 75 Mill. Zuschauer und erzielt nach RTL-Schätzungen einen Marktanteil von 7,5 Prozent bei den für Werbewirtschaft 14- bis 49-Jährigen hat.

Die Mehrheit des Senders soll an die russische Bankengruppe Ewrofinance Mosnarbank gehen. Diese Bank hatte auch 50 Prozent des unabhängigen Fernsehsenders NTW gekauft, nachdem die Mediaholding des staatlich kontrollierten Gasgiganten Gazprom den Kanal vom beim im Kreml in Ungnade gefallenen Medienoligarchen Wladimir Gussinskij übernommen hatte. Ewrofinance ist ein Investitionsvehikel der russischen Staatsbanken Vneshtorgbank und Vneshekonombank. Ren-TV würde also nach dem Kauf durch Ewrofinance mehrheitlich von Kreml-treuen Investoren kontrolliert. Bisher hält der staatlich kontrollierte Strommonopolist UES 70 Prozent an Ren-TV, der Rest gehört der Gründerin Irena Lesnjewskaja und ihrem Sohn Dmitrij.

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