Sender beobachten die sich anbahnende Monopolstellung von Kabel Deutschland mit Skepsis
Medienwächter dringen auf Digital-TV

Nach dem Investitionsstau der vergangenen Jahre dringen die Medienanstalten auf einen schnellen, digitalen Ausbau der deutschen Kabelnetze. Am Sonntag hatte Kabel Deutschland (KDG) angekündigt, seine drei Wettbewerber zu übernehmen und so seine Reichweite von derzeit 10 auf künftig 17 Millionen Haushalte auszudehnen. „Unter der Voraussetzung der kartellrechtlichen Genehmigung kann die KDG nun zeigen, ob sie es mit der Digitalisierung des Kabels ernst meint“, sagte Norbert Schneider, Präsident der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen, (LfM), dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Sein Amtskollege aus München, Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Medien (BLM), gewinnt der künftig starken Position der KDG positive Seiten ab: „Die Zersplitterung des Marktes war in der Vergangenheit wenig hilfreich. Eine Unternehmenspolitik aus einem Guss wird die Digitalisierung und den Wettbewerb mit anderen Übertragungstechniken voran bringen.“ Ring gilt im Gegensatz zu seinen Kollegen als Befürworter des Quasi-Monopols der KDG.

Die Medienwächter befürchteten in der Vergangenheit, dass durch eine verzögerte Einführung des digitalen Fernsehens das Kabel in Konkurrenz zum Satelliten an Attraktivität einbüßen könnte. Kabel Deutschland hatte am Wochenende mitgeteilt, die Rivalen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg für 2,7 Mrd. Euro zu kaufen. Der Deal muss allerdings noch kartellrechtlich genehmigt werden.

Die deutschen Fernsehkonzerne stehen der Konzentration im Kabelmarkt skeptisch gegenüber. „Wir werden den Merger genau beobachten“, sagte gestern ein RTL-Sprecher in Köln. Sowohl der Marktführer unter den deutschen Privatsendern als auch die Konkurrenz aus München, die Pro Sieben Sat 1 Media AG, wollen bei der kartellrechtlichen Prüfung der Übernahme Stellung nehmen. Auch die ARD will diese Möglichkeit nutzen, bestätigte der Sender am Montag.

ARD und ZDF hatten erst in der vergangenen Woche einen Vertrag mit Kabel Deutschland geschlossen, der die unverschlüsselte Verbreitung ihrer Programme gewährleistet. Die Öffentlich-Rechtlichen setzen weiter auf einen starken Wettbewerb der drei Verbreitungswege Kabel, Satellit und Antenne. Vor allem durch das per Zimmerantenne empfangbare Digitalfernsehen (DVB-T) versprechen sich ARD und ZDF eine stärkere Konkurrenz zum neuen Kabelmonopol. „Wir wollen DVB-T weiter vorantreiben. Der terrestrischen Ausstrahlung kommt schon aus strategischen Gründen eine zentrale Bedeutung zu“, sagte ein ARD-Sprecher in Hamburg.

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