Siemens-Skandal
Kleinfeld will aufräumen

Auch wenn die veruntreute Summe im Korruptionsskandal bei Siemens vermutlich auf mehr als 200 Millionen Euro angestiegen ist, kann der Großkonzern den finanziellen Schaden noch leicht wegstecken. Doch der Image-Schaden ist enorm. Deshalb ergreift Siemens-Chef Kleinfeld nun die Flucht nach vorn.

HB MÜNCHEN. In der Affäre um schwarze Kassen bei Siemens hat sich jetzt erstmals Vorstandschef Klaus Kleinfeld zu Wort gemeldet und schärfere Verhaltensregeln für Mitarbeiter angekündigt: „Wir müssen Unregelmäßigkeiten schonungslos aufklären und ahnden“, sagte er am Donnerstag in München. Bei hinreichendem Verdacht auf strafbares Verhalten werde der Mitarbeiter sofort suspendiert.

Die Staatsanwaltschaft München hat sechs Manager unter dem Verdacht verhaftet, sich „zu einer Bande zusammengeschlossen“ und 200 Mill. Euro über schwarze Kassen im Ausland veruntreut zu haben. Sie prüft auch, ob aus diesen Kassen Schmiergeld für Aufträge in Griechenland, Nigeria und anderen Ländern gezahlt wurde.

„Der Vorstand von Siemens duldet keine ungesetzlichen Geschäftspraktiken von Mitarbeitern, weder im Inland noch im Ausland“, betonte der Konzern und verschärfte die bestehenden Regeln. Wenn der erst vergangenen Freitag berufene Ombudsmann einen „hinreichenden Verdacht“ gegen einen Mitarbeiter habe, werde dieser unmittelbar suspendiert. Kleinfeld sagte: „Mitarbeiter, die unsere Compliance-Regeln missachten, schaden Siemens in jeder Hinsicht. Das können wir nicht hinnehmen.“

Eine Task Force unter Aufsicht von Vorstandsmitglied Jürgen Radomski werde die Regeln auf Lücken und Umgehungsmöglichkeiten überprüfen, den Ombudsmann unterstützen und dem Zentralvorstand regelmäßig berichten. Siemens sei an einer umfassenden Aufklärung in höchstem Maße interessiert und kooperiere in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden.

Nach den Razzien unter anderem in Kleinfelds Büro hatte Siemens den Nürnberger Rechtsanwalt Hans-Otto Jordan zum Ombudsmann berufen, an den sich sich Mitarbeiter auch anonym wenden können, wenn sie unkorrekte Geschäftspraktiken im Unternehmen beobachtet haben. Beim Börsengang in den USA 2001 hatte Siemens einen neuen Ethikkodex und verbindliche Regeln für gesetzestreues Verhalten erlassen.

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