Skandalkonzern
Satyam überrascht mit Gewinn

Der indische IT-Dienstleister Satyam hat seine ersten Ergebniszahlen nach dem großen Bilanzskandal veröffentlicht - und überrascht Branchenexperten mit einem guten Ergebnis. Die Inder können einen Gewinn von rund 11 Mio. Dollar ausweisen und ihre Auftragslage trotz Vertrauensverlust stabil halten.

NEU-DELHI. Der skandalbelastete IT-Dienstleister Satyam hat den größten Bilanzbetrug in Indiens Wirtschaftsgeschichte deutlich besser überstanden als erwartet. Das Unternehmen verbuchte im Monat Februar einen Gewinn von umgerechnet 10,9 Mio. Dollar. Die Umsatzrendite habe bei 17,5 Prozent gelegen, teilte Satyam mit. Es sind die ersten Ergebniszahlen, die der IT-Dienstleister seit Bekanntwerden der Bilanzfälschungen im Umfang von mehr als einer Mrd. Dollar Anfang Januar veröffentlichte. Branchenexperten hatten vermutet, dass Satyam infolge des Skandals und der Wirtschaftskrise tief in die Verlustzone rutscht.

Die gute Nachricht wird vor allem den Satyam-Käufer Tech Mahindra erfreuen. Das Gemeinschaftsunternehmen des indischen Fahrzeugherstellers Mahindra & Mahindra und des britischen Telekomkonzerns BT Group hatte im April 51 Prozent des Wettbewerbers für 580 Mio. Dollar erworben. Der Kauf des einst viertgrößten indischen IT-Dienstleisters mit Kunden unter den Top-Konzernen der Welt dürfte, wie sich jetzt zeigt, ein Schnäppchen gewesen sein. Denn auch die Auftragslage ist deutlich besser als Satyams beschädigter Ruf vermuten ließ. Nach eigenen Angaben gewann das Unternehmen seit Bekanntwerden des Betrugs bis Ende März neue Aufträge im Wert von 380 Mio. Dollar.

Anfang Januar hatte der Gründer und Chef von Satyam, Ramalinga Raju, gestanden, mindestens sechs Jahre lang die Bücher des Unternehmens frisiert zu haben. Ein von der indischen Regierung bestellter Not-Aufsichtsrat warnte, das Satyam die Pleite drohe, wenn nicht schnell ein Retter gefunden wird. Doch so schlecht wie damals befürchtet sind die Zahlen gar nicht. Laut der gestern veröffentlichten Ergebnismitteilung erwirtschaftete Satyam im vierten Quartal 2008 einen Gewinn von 33,5 Mio. Dollar. Dieser Wert beruht allerdings auf dem internen Management-Informationssystem des Unternehmens und ist bisher nicht von Wirtschaftsprüfern zertifiziert. KPMG und Deloitte sind noch immer dabei, Licht ins Dunkel der frisierten Bücher zu bringen.

Grund für die dennoch erfolgte Veröffentlichung der Zahlen ist ein für Freitag vorgesehenes Kaufangebot von Tech Mahindra an die Satyam-Aktionäre. Laut Vereinbarung muss Tech Mahindra 20 Prozent von Satyam an der Börse erwerben, 31 Prozent über eine Kapitalerhöhung. Der Kurs der Satyam-Aktie stieg gestern um fast zehn Prozent.

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