Smartphone-Markt
China lehrt die Handy-Riesen das Fürchten

Huawei und ZTE – zwei Namen, die noch vor kurzem kaum ein Europäer kannte. Doch nun greifen die Auftragsfertiger aus China die etablierte Konkurrenz im Heimatmarkt mit attraktiven Smartphones zu Discountpreisen an.
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Barcelona/DüsseldorfSchon auf dem Flughafen in Barcelona empfangen die beiden chinesischen Mobilfunkkonzerne Huawei und ZTE die Reisenden mit bunten Info-Ständen, schwarzen Mercedes-Limousinen mit bunten Firmenlogos jagen 24 Stunden lang durch die Stadt, ein übergroßes geflügeltes Pferd aus schwarzen Huawei-Smartphones avanciert auf dem Messegelände zum beliebten Fotoobjekt. Und vor dem modernistischen Eingang der eigenen Messehalle warten lange Schlangen auf Einlass. Es ist so, als habe Apple gerade ein neues iPhone präsentiert.

Tatsächlich lassen Chinas führende Mobilfunkonzerne auf dem Branchenmesse in der katalanischen Hauptstadt ihre Muskeln spielen. Ihre unmissverständliche Botschaft: „Wir wollen raus aus der zweiten Reihe und ganz nach oben.“ Noch rangiert Huawei unter ferner liefen mit einem Marktanteil bei Handys von 2,4 Prozent. ZTE bringt es auch auf nur 3,2 Prozent. Mit weitem Abstand führen Nokia (23,9 %) und Samsung (17,8). LG (4,8) liegt dagegen schon in greifbarer Nähe. Doch Markanteile besagen in dieser dynamischen Branche wenig. „Auch Samsung ist noch relativ neu in diesem Markt und schon einer der größten Handyhersteller. Deshalb hat Huawei eine gute Chance“, ist Vodafone-Konzernsprecher Matt Peacock überzeugt.

Der boomende Markt für lukrative Smartphones hat es den Chinesen angetan und dürfte ihnen gleichzeitig den Aufstieg in die erste Liga erleichtern. Schon jetzt produziert Huawei 150 Millionen Handys im Jahr und ist bei den digitalen Alleskönnern mit etwa 60 Millionen Android-Smartphones nach eigenen Angaben aber schon die Nummer vier im Markt. „Bis 2015 wollen wir die Nummer Drei werden“, sagte Huawei-Manager Amar Hamamdji.

Branchenbeobachter halten die Ambitionen der Chinesen für realistisch. „Erstmals haben die neuen Android-Smartphones von Huawei und ZTE das Zeug, von den Netzbetreibern vermarktet zu werden, glaubt Telekomexperte Thomas Langer von der WestLB. „Es sind zwar keine absoluten Top-Geräte, aber sie sind nicht mehr weit davon entfernt.“ Noch finden sich nur wenige Smartphones von Huawei und ZTE im Angebot der Telekom-Konzerne. „Die Kunden setzen derzeit vor allem auf Markengeräte,“ heißt es bei einem großen Netzbetreiber. Und die kommen derzeit von Apple, Samsung oder HTC.

Doch die Situation kann sich schnell ändern. Schließlich stehen die Netzbetreiber unter Druck. Der harte Wettbewerb drückt die Preise und da kommen günstige Geräte, die technologisch top sind, gerade recht. So hat Huawei schon angekündigt, jedes vergleichbare Gerät eines Wettbewerbers um 15 bis 20 Prozent unterbieten zu wollen. Nordeuropas zweitgrößter Telekom-Konzern Telia Sonera und Vodafone wollen deshalb verstärkt Smartphones chinesischer Hersteller anbieten.

„Die Netzbetreiber können Kosten sparen, weil sie gute Geräte weniger subventionieren müssen“, sagt Telekomexperte Langer. Huawei und ZTE können auch deshalb ihre Geräte so günstig anbieten, weil sie über eine riesigen Heimatmarkt verfügen und entsprechende Produktionsvorteile nutzen können. Langer glaubt, dass auch wegen der chinesischen Anbieter die magische Schwelle von 100 Dollar für ein Smartphone schon bald unterschritten werden könnte. Der aggressive Auftritt der chinesischen Anbieter dürfte vor allem die kleineren Spieler in der Branche treffen, wie Motorola oder Sony. Auch LG und Blackberry-Hersteller RIM kämpfen derzeit mit sinkenden Marktanteilen.

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  • @Sitoheim

    Der Fehler geht ganz klar auf meine Kappe.^^

    Ich habe ja auch schon freimütig zugegeben, dass ich auch nicht vor Fehlern gefeilt bin. Doch im Gegensatz zu Journalisten, verdiene ich nicht mein Geld mit dem Schreiben von Beiträgen. Desweiteren liegt es in der Macht der Journalisten, den Ruf ihres Blattes durch gut recherchierte Artikel zu steigern.

    In meinen Augen gehört nunmal die Rechtschreibung zu einem guten Artikel dazu, das Prüfen kostet dank Copy & Paste höchstens eine Minute. Diese Zeit sollte man allemal aufbringen können.

  • Wie waere es ohne t hinter dem mich? :-)

    Tja und das mit den Chinesen finde ich nur teilweise richtig. Zwar spielen sie die Unternehmen mit ihrem Gewinnmaximierungsdrang gegeneinander aus. Aber viel wichtiger ist doch, das sie das Know-How effizient weiterentwickeln. Das geht u.a. durch eine seit Jahren gut koordinierte Bildungspolitik und Wirtschaftspolitik, die mit Schwarz-Gelb ihren vorlaeufigen tiefpunk in Deutschland erreicht hat. Es is daher abzusehen, das die Chinesen in Zukunft innovationskraeftiger sein werden und uns bald in nahezu allen Bereichen ueberholen werden. Mit der ungeheueren Ueberschuldung von Kohl hat das Uebel in Deutschland angefangen. Jetzt gibt es kein Geld mehr fuer Bildung und wir werden weiter wirtschaftlich zurueckfallen. Das Problem sehe ich viel eher in der Wirtschaftspolitik und nicht bei Chinesen, die das gleiche machen wie andere auch (Der wirtschaftliche Schaden durch Wirtschaftsspionage in Deutschland wird uebrigens hauptsaechlich von Amerikanern und Franzosen und nicht von Chinesen verursacht).

    Wenn ein Chinesicher Politiker in einem hoeheren Amt uebrigen so viel scheisse gebaut haette, wie es hier unter Politikern ueblich ist, dann waere seine Karriere schnell kaputt. In Deutschland ist der reale Erfolg eines Politers fuer seine Karriere fast vollkommen unwichtig. Eines der schoensten Beispiele der letzten Zeit ist da Herr Guttenberg, von Merkel ganz zu schweigen.

  • Ich möchte hiermit alle Journalisten des 'Handelsblatt' darum bitten künftig auch eine Rechtschreib- und Grammatikprüfung vorzunehmen. Ein paar Beispiele zu diesem Text, die mit Hilfe der einfachsten Prüfung auffallen sollten:

    "Längst hat die Mobilfunk-Branche in den vergangenen Jahren den klassische PC-Markt abgehängt."
    Wie wäre es mit einem zusätzlichen 'n' hinter 'klassische'?

    "...das der Bau eines echtes Android-Smartphone möglich ist, das auch in Europa für weniger als 100 Euro verkauft wird."

    Sollte wohl eher "...der Bau eines echten Android-Smartphones..." lauten.

    Ich nehme für micht selbst nicht in Anspruch, die deutsche Grammatik und Rechstschreibung in all ihren Feinheiten zu verstehen. Doch die o.g. Fehler bewegen sich auf Grundschulniveau und hätten z.B. mit Hilfe der Rechtschreibprüfung von Word leicht vermieden werden können.

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