Software-Konzerne
SAP rennt der ewige Rivale auf und davon

Beim Softwarehersteller SAP dürften sie gestern große Augen bekommen haben, als die Nachricht vom Kauf Suns durch den Erzrivalen Oracle in Walldorf ankam. Offiziell gab es zwar kein Statement. Doch der eine oder andere sei zusammengezuckt, wird hinter vorgehaltener Hand berichtet.

JENS KOENEN | FRANKFURT

Beim Softwarehersteller SAP dürften sie gestern große Augen bekommen haben, als die Nachricht vom Kauf Suns durch den Erzrivalen Oracle in Walldorf ankam. Offiziell gab es zwar kein Statement. Doch der eine oder andere sei zusammengezuckt, wird hinter vorgehaltener Hand berichtet.

SAP und Oracle - das ist ein Wettstreit, der bereits in den 80er-Jahren begann. Es waren vor allem die beiden Mitgründer Larry Ellison für Oracle und Hasso Plattner für SAP, die die Säbel rasseln lassen - ob beim Hochseesegeln oder beim Kampf um Kunden.

Dabei war der Vergleich von jeher schwierig, verfügt Oracle doch mit der Sparte Datenbank-Software über ein margenstarkes Geschäft, das SAP nicht hat. Mit der Übernahme von Sun ist es mit der Vergleichbarkeit nun endgültig vorbei.

Ellison gründete Oracle 1977. Zuvor hatte er beim US-Geheimdienst CIA an der Entwicklung einer Datenbank mitgearbeitet, Codename: Oracle. Dieses Wissen nutzte er - mit Erfolg. 1986 ging Oracle an die Börse. In den Folgejahren ging es steil aufwärts, sowohl mit den Umsätzen, als auch mit dem Aktienkurs und Ellisons Vermögen.

Zum Geschäft mit Datenbanken kam vor einigen Jahren die Sparte Unternehmenssoftware. Ellison hatte nicht zuletzt bei SAP gesehen, wie viel Geld mit Software zur Steuerung von Unternehmen zu verdienen ist. Er kaufte, was das Zeug hielt, etwa den SAP-Konkurrenten Peoplesoft oder den kleineren IBM-Rivalen BEA.

Heute zählt Oracle mit einer Marktkapitalisierung von 95 Mrd. Dollar und einem Umsatz von zuletzt 24 Mrd. Dollar zu den größten IT-Unternehmen der Welt. Ellison selbst, das Enfant terrible der Softwareindustrie, zählt zu den reichsten Menschen. Legendär ist sein eigener Kampfjet der Marke Marchetti, mit dem er nach eigenem Bekunden gerne mal das Anwesen von Microsoft-Gründer Bill Gates attackieren würde.

Gelingt der Sun-Deal, könnten Attacken ganz anderer Art gegen den zweiten Erzfeind nach SAP möglich werden. Oracle würde dann Java besitzen und Microsoft müsste künftig das eine oder andere Mal bei Ellison vorsprechen müssen, um die eigenen Pläne mit der wichtigen und unersetzlichen IT-Sprache zu erläutern.

Für Ellison ist alleine das wahrscheinlich ein innerer Reichsparteitag. Doch wer den ehrgeizigen Manager alleine auf sein Ego beschränkt, lebt gefährlich. Bislang hat Ellison noch alle seine waghalsigen Manöver beendet - und zwar mit Erfolg.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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