Software-Lösungen
Pimp my SAP

Systeme wie SAP haben den Ruf, der Mercedes unter der Firmensoftware zu sein – doch ohne Tuning geht es nicht. Ein ganzer Industriezweig ist mittlerweile entstanden, der sein Geld ausschließlich mit der Optimierung komplexer Software-Lösungen verdient – Arbeit gibt es zuhauf.

FRANKFURT. Benchmarking, um herauszufinden, wo man besser werden kann? Eigentlich behagen Ralph Treitz solche Vergleichsmessungen nicht. „Nehmen Sie den Fünfer in der Schule. Als Schüler sagt man, dass Peter auch eine hat. Für die Eltern zählt die Zwei von Lisa, und der Lehrer moniert, dass selbst die noch richtig schlecht ist. Was sagt das nun aus?“, fragt der IT-Manager mit dem graumelierten Bart. Und doch sind es genau jene Vergleiche, mit denen Treitz sein Geld verdient. Er ist Gründer der Heidelberger Firma VM Solutions (VMS), einem Spezialisten für die Optimierung komplexer IT-Systeme, vornehmlich aus dem Hause SAP.

Treitz selbst sieht sich lieber als „Vermesser von SAP-Landschaften“. Über 1 000 davon haben er und sein zwölfköpfiges Team bereits mit Hilfe eines komplizierten mathematischen Modells analysiert und den Firmen Tipps zum Optimieren geliefert. „Wir vermessen das Nutzungsprofil, also auch sehr firmenspezifische Faktoren wie zum Beispiel das Verhalten der Nutzer, Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten und die Qualität der Systeme“, beschreibt Treitz das Vorgehen. Die Technologie, die Rechner und ihre jeweilige Rechenleistung stünden im Gegensatz dazu nicht im Vordergrund. „In fast jedem SAP-System gibt es Optimierungsmöglichkeiten“, schildert Treitz seine Erfahrungen.

VMS ist kein Einzelfall. Job-Scheduler nennt sich die Nische, in der sich die Hamburger um Honico Systems tummeln. Die Idee: Während die IT tagsüber vor allem die Dialoge der Anwender bearbeitet, werden die eigentliche Aufträge, also etwa die Buchung der Rechnungen, nachts abgearbeitet. Doch angesichts der immer größer werdenden Daten- und Auftragsmengen reichen die Nachtstunden häufig nicht mehr aus. Mit Werkzeugen wie dem „Batchman“ können die IT-Administratoren zum Beispiel die Aufträge bündeln, gezielter verteilen oder die Abwicklungszeiten festlegen.

„Wir müssen dazu das System nicht verändern, es ist also ein relativ einfaches Werkzeug“, sagt Gerald Meyer, Produktmanager von Honico. Eine besondere Herausforderung: In den meisten Unternehmen sind an das SAP-System unterschiedliche Programme anderer Hersteller angedockt. „Deren Prozesse müssen natürlich mitgesteuert werden“, sagt Meyer. Hakt es dann bei der Bearbeitung, gibt das System sofort Alarm, und zwar auf dem Handy oder einem anderen mobilen Gerät. „Denn das muss schnell gehen, sonst steht das System unter Umständen am nächsten Morgen“, sagt Meyer.

Für viele Unternehmen sind solche „Tuningkits“ deshalb unverzichtbar geworden. „Wir haben festgestellt, dass unser Bedarf an solchen im Hintergrund laufenden IT-Prozessen groß ist“, sagt Jörn Elßner, IT-Manager des Sportartikelkonzerns Adidas. Seitdem der Konzern damit begonnen hat, SAP einzuführen, arbeitet Adidas mit solchen Werkzeugen als eine wichtige Ergänzung zum SAP-Standard. Dass die „Tuner“ zuweilen auch die eine oder andere Überraschung zu Tage fördern, gehört für Treitz dazu. „Viele Firmen decken sich, wenn die Softwareanbieter mit Rabatten locken, zu üppig ein. Die ungenutzten Lizenzen entdecken wir natürlich. Wir erarbeiten dann Umverteilungen und das Material für Nachverhandlungen", beschreibt er einen solchen Fall.

Es verwundert daher nicht, dass die Optimierer zunächst nicht überall uneingeschränkt willkommen sind. „Damit kann ich leben. Wir sind Fitnesstrainer, und da schmerzt eben auch mal was.“

Die wirklich guten IT-Verantwortlichen moderierten diesen Prozess mit den Optimierern gemeinsam, sagt Treitz. Und über das Ergebnis einer solchen Fitness-Initiative seien zum Schluss fast alle Projektbeteiligten glücklich.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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