Sony Pictures
Mit James Bond aus der Krise

Die Filmsparte des japanischen Elektronikriesen Sony erwartet mit dem neuem Bond-Film in diesem Jahr Rekordeinnahmen. In der Kinobranche ist dagegen die Euphorie über den neuen Bond nicht besonders groß.

DÜSSELDORF „Wir waren in den vergangenen fünf Jahren bereits in den USA immer die Nummer eins oder zwei. Doch 2006 ist für uns ein Ausnahmejahr“, sagte Michael Lynton, Chairman und Vorstandschef von Sony Pictures, dem Handelsblatt gestern. „Wir werden einen neuen Rekord an den Kinokassen in unserem Heimatmarkt aufstellen.“ Das Hollywood-Studio gibt sich zum Start des neuen James Bond-Films „Casino Royale“ ausgesprochen optimistisch. Bond habe immer weltweit hervorragend abgeschnitten. „Wir erwarten auch international ein exzellentes Jahr“, sagt Lynton. Traditionell schneide Bond international stets besser ab als in den USA. Konkrete Umsatzzahlen wollte der Chef der Sony-Filmsparte aber nicht nennen. Im Frühjahr erzielte das Hollywood-Studio mit der Buchverfilmung „Da Vinci Code“ einen weltweiten Kassenerfolg. Im vergangenen Jahr erzielte Sony Pictures einen Umsatz von knapp sieben Mrd. Dollar.

Das florierende Filmgeschäft kann Sony gut gebrauchen. Der harte Wettbewerb im Elektronikgeschäft, speziell bei Flachbild-Fernsehern, macht dem Konzern zu schaffen. Auch die Videospielsparte gilt als weiteres Problemkind. Zuletzt hatten die hohen Entwicklungs- und Anlaufkosten für die neue Playstation 3 dem Elektronikkonzern rote Zahlen beschert. Auch musste der Konzern massenweise Computer-Akkus zurückrufen.

Der über 100 Mill. Dollar teure Streifen „Casino Royale“ hatte gestern in London Weltpremiere. In Deutschland wird der Bond-Film am 21. Dezember an den Start gehen. Martin Bachmann, Filmverleihchef von Sony Pictures in Deutschland, sagte: „Es ist durchaus machbar, die Einnahmen von ,Da Vinci Code‘ zu schlagen.“ Die Verfilmung des Bestsellers von Dan Brown hat in Deutschland nach Unternehmensangaben rund 40 Mill. Euro eingespielt. Der letzte James Bond vor vier Jahren erzielte damals in deutschen Kinos 32 Mill. Euro. Insgesamt will Sony in Deutschland Insidern zufolge mit dem Filmgeschäft in diesem Jahr die Grenze von 100 Mill. Euro überspringen.

Die Euphorie über den neuen Bond-Film ist in der Kinobranche geteilt: „Der neue Bond wird gut, aber nicht außerordentlich gut laufen. Dafür gab es zu viele Negativmeldungen zum neuen Bond–Hauptdarsteller Daniel Craig“, sagt ein deutscher Kinoinvestor. Der Film werde in Deutschland zwischen zwei bis drei Millionen Euro erreichen, prognostizierte er.

Für Sony Pictures läuft es auch im Heimatmarkt USA gut. Das Filmstudio aus dem kalifornischen Culver City ist 2006 mit einem Umsatz an der Kinokasse von bisher 1,3 Mrd. Euro der Marktführer. Auf den weiteren Plätzen folgen Disney („Flucht der Karibik 2“) und 20th Century Fox („Borat“, „X-Men 3“).

Das weltweite Filmgeschäft wird unterdessen unberechenbarer. Sony war wie andere Studios vom Markterfolg des Billig-Films „Borat“ überrascht. Das Hollywood-Studio 20th Century Fox des Medientycoons Rupert Murdoch fährt mit der zweifelhaften Satire weltweit hohe Renditen ein. Die Produktion der fiktiven Dokumentation des kasachischen TV-Reporters „Borat“ auf seiner Reise durch die USA kostete nur 18 Mill. Dollar, weniger als ein Fünftel dessen, was beim James-Bond-Streifen „Casino Royale“ angefallen ist. Allein am vergangenen Wochenende spielte die als fremdenfeindlich kritisierte Produktion mehr als 44 Mill. Dollar ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%