Soziales Netzwerk Xing
Strippenziehen in der Anzugtasche

Das soziale Netzwerk Xing hat spät auf den Trend zu mobilen Geräten reagiert. Jetzt steuert das deutsche Internet-Unternehmen um – und lässt sich dabei auch von Marc Zuckerbergs Facebook inspirieren.
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DüsseldorfEr kann nicht ohne – aber die große Liebe ist es nicht. Lars Hahn ist Chef der Bildungseinrichtung LVQ in Mülheim an der Ruhr. Er und seine Karriereberater helfen Bewerbern, einen Job zu finden oder eine bessere Position zu ergattern. So manchen hat er dazu motiviert, sich bei dem Online-Netzwerk Xing anzumelden. Wer dort ein Profil hat und sich in den Gruppen zu Wort meldet, wird gesehen.

Doch wenn sich Hahn selbst einloggt, ist er ernüchtert. Auf dem Smartphone sieht Xing anders aus als auf dem PC, zudem fehlen etliche Funktionen – erst jetzt werden beispielsweise Gruppendiskussionen eingeführt. „Es wäre schon wünschenswert, wenn Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit für alle Geräte ähnlich wären“, sagt der LVQ-Chef, der das Blog Systematisch Kaffeetrinken betreibt.

Wie alle Internet-Unternehmen muss sich Xing auf einen fundamentalen Wandel einstellen: Smartphones und Tablets werden für viele Menschen zum wichtigsten Computer. Dem Management ist das bewusst: Es hat für 2014 eine „mobile Transformation“ ausgerufen. „Wir sind dabei, unsere mobilen Aktivitäten deutlich nachzujustieren und auszubauen“, sagt Vorstandschef Thomas Vollmoeller im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wir wollen jetzt einiges dafür tun, dass sich unsere Apps noch besser anfühlen.“ Im Wettbewerb mit dem großen US-Rivalen Linkedin macht Xing endlich mobil.

Es wird Zeit: Bereits 40 Prozent der Nutzer besuchen die Plattform mit mobilen Geräten, Tendenz stark steigend. Und ebenfalls 40 Prozent der Jobsuchenden halten mit dem Smartphone nach Stellen Ausschau, wie aus einer aktuellen Studie des Karriereportals Monster hervorgeht – gerade in den Fachrichtungen Personal und Marketing.

Wenn es darum geht, ein Unternehmen strikt auf die mobilen Geräte auszurichten, ist Facebook das große Vorbild. Als dessen Gründer Mark Zuckerberg feststellte, dass die Nutzer immer häufiger mit dem Smartphone kommunizieren, gab er die Devise „mobile first“ aus: Alle neuen Funktionen sollen primär für die kleinen Bildschirme gestaltet werden. Und zwar so, dass sich auch die für den Börsenkonzern lebenswichtige Werbung darin unterbringen lässt.

Die Burda-Tochter Xing steuert nicht so radikal um. „Es ist ganz wichtig, von Anfang an bei der Produktentwicklung mobil zu denken“, sagt Vollmoeller. „Allerdings heißt das nicht, das man automatisch alle Funktionen und Features auch mobil bauen muss.“

Es komme auf den Anwendungsbereich an: Headhunter sitzen meist am PC – für sie ist eine gute Suchfunktion auf der Webseite wichtig. Wer einen neuen Job sucht, stöbert dagegen nicht selten auf dem Weg zur Arbeit in den Angeboten – das muss also auch mit dem Smartphone leicht von der Hand gehen. Was die Gestaltung erleichtert: Im Gegensatz zu Facebook muss Xing keine Werbung unterbringen, sie spielt in der Bilanz keine Rolle.

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Ein soziales Netzwerk, viele Apps?

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