Sparkurs
Telekomausrüster Nokia Siemens plant massiven Stellenabbau

Telekomausrüster Nokia Siemens muss sparen. Der Konzern will bis zu 5 800 Stellen streichen, um im harten Wettbewerb zu überleben. Die bislang fünf Unternehmenseinheiten sollen auf drei Bereiche reduziert werden. Ob die drastischen Maßnahmen das schlechte Ergebnis des Konzerns retten, bleibt fraglich.
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STOCKHOLM/DÜSSELDORF. Der angeschlagene finnisch-deutsche Telekommunikationsausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) will sich mit einem drastischen Sparprogramm aus der Krise manövrieren: Das Unternehmen plant, 4 500 bis 5 800 der insgesamt 64 000 Stellen bis 2011 zu streichen. Wie NSN-Chef Rajeev Suri im finnischen Espoo mitteilte, will man ab Ende 2011 jährlich 500 Mio. Euro sparen. Um dieses Ziel zu erreichen, fährt NSN dreigleisig: Neben dem Stellenabbau werden die bislang fünf Unternehmenseinheiten auf drei Bereiche reduziert, zudem sollen die Betriebskosten und die Ausgaben für externe Dienstleister gesenkt werden.

Darüber hinaus hat NSN vor, die Kosten im Einkauf um „deutlich mehr als 500 Mio. Euro“ zu senken. Suri wollte keine genaueren Angaben über den Stellenabbau machen, da eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen sei. Somit bleibt auch unklar, ob deutsche Standorte von den Sparmaßnahmen betroffen sind.

Die geplanten Kostensenkungen lässt sich NSN zunächst einiges kosten – 550 Mio. Euro hat der Konzern für seine Maßnahmen veranschlagt. Personalvorstand Hans-Jürgen Bill betont, dass das Joint Venture dafür die volle Unterstützung seiner beiden Mutterkonzerne habe. „Unsere Aktionäre stehen hinter uns“, versichert Bill dem Handelsblatt.

Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, Nokia und Siemens wollten aus dem Joint Venture aussteigen. Der Handy-Riese Nokia hatte im Oktober erstmals seit vielen Jahren einen Quartalsverlust gemeldet. Hauptursache dafür war eine Wertberichtigung von fast einer Mrd. Euro bei NSN. Auch Siemens wird voraussichtlich eine Wertkorrektur vornehmen.

Nach Meinung von Analysten dürfte es derzeit allerdings schwierig sein, einen Käufer für NSN zu finden. Offiziell erklärte Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo vergangenen Monat, dass sein Unternehmen NSN bei den Bemühungen, wieder erfolgreich zu arbeiten, unterstützen wolle. NSN-Personalchef Bill sagte, derzeit seien selbst Zukäufe – die auch die Zustimmung der Mütter bräuchten – möglich. „Um unser Wachstum zu sichern, sind weitere Partnerschaften und Akquisitionen denkbar“, sagte der Personalchef.

Die IG Metall und der NSN-Gesamtbetriebsrat kritisierten die geplanten Sparmaßnahmen. „Mit der Restrukturierung gewinnen wir keinen Kunden und keinen Auftrag“, erklärten der Gesamtbetriebsrat und die IG Metall in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie wiesen darauf hin, dass NSN seit der Gründung 2007 allein in Deutschland bereits 3 000 Stellen gestrichen habe.

Für Analysten kommen die Streichungen indes nicht überraschend. „Seit längerer Zeit ist klar, dass NSN den Dampfer nicht zum Fahren bekommt und schrittweise Marktanteile verloren hat“, sagt Telekom-Analyst Håkan Wranne. NSN liegt mit einem Marktanteil bei Mobilfunknetzen von rund 20 Prozent deutlich hinter dem Branchenprimus Ericsson, der weltweit fast jedes dritte Netz liefert. Nokia-Chef Kallasvuo erklärte kürzlich, dass der NSN-Marktanteil bei Mobilfunknetzen „stärker fallen wird als zuvor angenommen“. Das bedeutet, NSN verliert weiter Boden gegenüber der Konkurrenz.

Das je zur Hälfte von Nokia und Siemens betriebene Joint Venture leidet wie die Konkurrenten Ericsson und Alcatel-Lucent unter der schwachen Konjunktur und dem Preisdruck, den die chinesischen Mitbewerber Huawei und ZTE ausüben. Zusätzlich haben viele Telekomkonzerne den geplanten Ausbau ihrer Mobilfunknetze wegen der Wirtschaftskrise verzögert. Der weltgrößte Hersteller von Mobilfunknetzen, Ericsson aus Schweden, hatte vergangenen Monat deutlich unter den Erwartungen liegende Quartalszahlen präsentiert. Und das französisch-amerikanische Joint Venture Alcatel-Lucent gab vergangene Woche den zwölften Quartalsverlust in Folge bekannt.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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