Sparten-Verkauf denkbar
Telekom-Chef baut neue Drohkulisse auf

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat ihren Streik bei der Telekom wegen des Konzernumbaus am Samstag fortgesetzt. Zunächst wurden Arbeitsniederlegungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekannt.

HB HAMBUREG. Unterdessen hat Telekom-Chef René Obermann mit Verkäufen von Service-Sparten gedroht, sollte es zu keiner Einigung kommen. Obermann sagte der „Bild am Sonntag“: „Die Tür für Gespräche bleibt offen. Wir wollen eine gemeinsame Lösung mit Verdi. Aber: Wenn es zu keiner Lösung kommt, könnten wir zu Verkäufen von Service-Sparten gezwungen sein, um die Kosten in den Griff zu kriegen. Für die Mitarbeiter wäre das sicher die schlechtere Lösung.“ Er forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

„Mit so einer Aussage trägt Herr Obermann nicht gerade zur Entschärfung des Konflikts bei“, konterte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. Der Streikleiter der Gewerkschaft, Ado Wilhelm, sagte demselben Blatt, ein Verkauf von Service-Sparten wäre „komplette Blödsinn“, der dazu beitrage, dass das Unternehmen nicht mehr richtig geführt werden könne. Wilhelms Worten zufolge haben einige Kunden erste Auswirkungen des Streiks bereits zu spüren bekommen. „Am Freitag hat es schon erhebliche Einschränkungen durch Terminverschiebungen, liegen gebliebene Aufträge und unbearbeitete Störungsmeldungen gegeben“, sagte er. Schröder ergänzte: „Wir sind auf eine lange Auseinandersetzung vorbereitet.“

Zunächst wurden Arbeitsniederlegungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bekannt. Rund 70 Beschäftigte in Berlin und Brandenburg waren aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen, teilte Verdi mit. Bei den Störungsannahmen in Frankfurt (Oder) und Berlin sollten den ganzen Tag über keine Störungsmeldungen angenommen werden. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hatten etwa 130 Mitarbeiter ihren Streik fortgesetzt. Davon betroffen waren die Call-Center in Halle, Dresden, Chemnitz und Gera sowie der Servicebereich in Suhl.

In Rheinland-Pfalz legten rund 100 Mitarbeiter der Standorte Trier, Koblenz, Bad Kreuznach und Mainz die Arbeit nieder, wie ein Verdi-Sprecher mitteilte. Dabei handelte es sich um Servicetechniker, die normalerweise am Wochenende im Außendienst Störungen beheben, sowie um Call-Center-Mitarbeiter. Der Streik sollte auch am Sonntag fortgesetzt werden. Am Montag (14. Mai) werden nach Angaben der Gewerkschaft rund 700 Telekom-Mitarbeiter in Saarbrücken, Kaiserslautern, Neustadt und Ludwigshafen streiken. In Hessen ließen am Samstag an allen Standorten außer Eschborn etwa 170 Mitarbeiter im Entstördienst, der Montage und bei Call- Centern die Arbeit ruhen, sagte Verdi-Fachbereichsleiterin Brigitte Reinelt. Für Sonntag rechnete Verdi in Hessen mit etwa 40 Streikenden. „Die Kollegen sind zu einer langen Auseinandersetzung bereit“, sagte Reinelt. In Nordrhein-Westfalen traten nach Angaben von Verdi 150 Service-Techniker und 50 Call-Center-Mitarbeiter in den Ausstand.

In Baden-Württemberg soll der Streik am Montag beginnen. Wie ein Verdi-Sprecher am Freitag in Stuttgart mitteilte, wird vor allem der Service betroffen sein. Am ersten bundesweiten Streiktag waren am Freitag mehr als 11 000 Mitarbeiter der Deutschen Telekom in den Ausstand getreten. Mit den Arbeitsniederlegungen protestierten sie gegen die geplante Auslagerung von 50 000 Arbeitsplätzen in Service-Gesellschaften. Dort sollen die betroffenen Beschäftigten für weniger Geld länger arbeiten.

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