Speicherchip-Produzent wehrt sich gegen Strafzölle in Europa und den USA
Hynix kämpft weiter gegen hohe Verluste

Der angeschlagene südkoreanische Chipbauer Hynix ist im ersten Halbjahr tiefer in die Verlustzone gerutscht. Das zweite Quartal verlief zwar deutlich besser als das erste, dennoch machte der viertgrößte Speicherchip-Produzent der Welt allein zwischen April und Juni netto 398 Mill. Euro (530 Mrd. Won) Verlust.

bas TOKIO. Das ist mehr als dreimal so viel wie vor wenigen Wochen Konkurrent Infineon für das abgelaufene Quartal ausgewiesen hatte. Angesichts der seit einigen Wochen wieder steigenden Preise für Speicherchips hofft Hynix auf eine Besserung im laufenden Halbjahr, ohne eine Prognose abzugeben. Doch die Zahlen für die ersten sechs Monate zeigen, welche Klippen das Unternehmen überwinden muss.

In den ersten sechs Monaten verlor Hynix netto 1,58 Bill. Won (1,2 Mrd. Euro). Das ist fast viermal so viel wie im Jahr zuvor. Damit lagen die Verluste sogar knapp über dem auf rund 1,15 Mrd. Euro gesunkenen konsolidierten Umsatz. Gründe für die schwierige Lage sind neben den niedrigen Preisen für Speicherchips Zinsbelastungen wegen hoher Schulden sowie Abschreibungen auf das vor vier Jahren erworbene Unternehmen LG Semicon.

Allerdings verlief das zweite Quartal trotz Belastung durch den Irakkrieg und die Lungenkrankheit SARS besser als das erste. Der Umsatz stabilisierte sich dank steigender Nachfrage für ein neues Intel-Chip-Modul auf 845 Mrd. Won (640 Mill. Euro). Das ist zwar immer noch weniger als im Vorjahr, liegt aber um ein Viertel über dem Vorquartal. Operativ verlor Hynix im zweiten Quartal 183 Mrd. Won, nach 213 Mrd. Won in den ersten drei Monaten. Vor allem der Nettoverlust sank jedoch von mehr als einer Billion Won auf gut die Hälfte.

In den vergangenen fünf Jahren hat Hynix nur ein einziges Mal einen Jahresgewinn ausgewiesen. Immer wieder wird nach der geplatzten Übernahme durch US-Konkurrent Micron über die Zukunft des Chipbauers spekuliert. Konkurrenten würden das Ausscheiden eines Anbieters auf dem Halbleitermarkt begrüßen. Die jüngst steigenden Chippreise dürften dem Produzenten, dessen Einnahmen zu 80 % von DRAM-Speicherbausteinen kommen, etwas Luft verschaffen. Zudem wird über Verkäufe von Anteilen spekuliert, etwa an der Audio-Firma Hyundai Autonet.

Doch trotz dreier Rettungsaktionen in drei Jahren fehlen dem Unternehmen Mittel, in neue Technologien wie Anlagen für 300 Millimeter große Silicium-Scheiben zu investieren, die die Produktionskosten senken. Zudem warnt gerade Branchenführer Samsung Electronics – der einzige Hersteller, der derzeit Gewinne im Speicherchip-Geschäft macht – vor zu großer Euphorie. Die sich abzeichnende Erholung im zweiten Halbjahr müsse nicht zwangsläufig in eine fundamentale Erholung der Branche nach über zwei Jahren münden. Das müssten die PC-Verkäufe erst noch zeigen.

Belastend dürften sich für Hynix zudem Strafzölle der EU und der USA wegen angeblicher staatlicher Beihilfen auswirken. Die EU-Staaten hatten am Dienstag einen Ausgleichszoll von rund 35 % des Einfuhrpreises beschlossen. Das US-Handelsministerium hatte im Juni Strafzölle von knapp 45 % verhängt. Die südkoreanische Regierung bestreitet die Vorwürfe ebenso wie Hynix und will vor der WTO klagen. Der südkoreanische Chipbauer versucht, die Strafzölle möglichst zu umgehen. Zum einen liefert Hynix so weit es geht aus seinem US-Werk in Oregon, für das die Strafzölle nicht gelten. Zugleich werden die Lieferungen an Filialen von Kunden in Drittstaaten umgeleitet und Wachstumsregionen wie China, Indien und Osteuropa stärker beliefert.

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