Spitzelaffäre
Verlage wehren sich gegen die Telekom

Die Affäre um die Bespitzelung von Journalisten durch die Telekom zieht weitere Kreise. Jetzt setzen sich die beiden wichtigsten Wirtschaftsverlage in Deutschland, die Verlagsgruppe Handelsblatt sowie Gruner+Jahr, mit juristischen Mitteln gegen den Bonner Konzern zur Wehr.

HB DÜSSELDORF. Die beiden wichtigsten Wirtschaftsverlage in Deutschland, die Verlagsgruppe Handelsblatt und Gruner+Jahr, gehen in der Spitzelaffäre juristisch gegen die Deutsche Telekom vor. Gruner+Jahr („Capital“, „Financial Times Deutschland“) erstattete am Mittwoch Strafanzeige wegen Bruchs des Fernmeldegeheimnisses, Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen den Datenschutz. Die Anwälte der Verlagsgruppe Handelsblatt („Wirtschaftswoche“, „Handelsblatt“) forderten die Telekom auf, den möglicherweise betroffenen Journalisten des Hauses sofort alle gespeicherten Daten offenzulegen.

Die Verlage reagieren damit erstmals juristisch auf die Bespitzelung von Journalisten durch die Telekom. Die Affäre beschäftigt die Öffentlichkeit seit drei Wochen. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Telekom in den Jahren 2005 und 2006 unter Bruch des Fernmeldegesetzes Verbindungsdaten von mindestens einem Journalisten und einem Aufsichtsrat an die Berliner Sicherheitsfirma Network Deutschland übermittelt. Durch einen Abgleich der Daten wollte die Führungsspitze des Unternehmens herausfinden, wie geheime Unternehmensinformationen an die Presse gelangt waren.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Sache gegen acht Beschuldigte, darunter den früheren Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Nach Aussagen von Beteiligten sollen sie über die Bespitzelungsaktion informiert gewesen sein und die Suche nach undichten Stellen selbst angeordnet haben.

Aus Sicht der betroffenen Wirtschaftsjournalisten geht es bei der Affäre nicht nur um einen flagranten Verstoß gegen Fernmeldegesetze und Datenschutz, sondern auch um einen schweren Anschlag auf die Pressefreiheit. Beide Verlage schließen weitere Schritte nicht aus.

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