Start in den nächsten zwölf Monaten
Disney rollt indischen TV-Markt auf

Der zweitgrößter Medienkonzern der Welt will gleich drei Kanäle in Bombay starten.

LOS ANGELES. Nach der Abwehr der feindlichen Übernahme durch den Kabelriesen Comcast startet die Walt Disney Co. im internationalen Fernsehgeschäft durch. Der weltweit zweitgrößte Medienkonzern plant eigene Fernsehsender in Indien, die sich jeweils zur Hälfte aus Kabelgebühren und Werbung finanzieren sollen.

„Wir wollen in Indien mit drei Kanälen starten“, sagte David Hulbert, Präsident von Walt Disney Television International, dem Handelsblatt. Neben einem Kinderkanal, wird es auch ein klassisches Vollprogramm nach dem Vorbild des konzerneigenen Networks ABC geben, das in drei Landessprachen ausgestrahlt wird. Sitz der Sender wird Bombay sein – das seit Jahren boomende Zentrum der indischen Film- und Fernsehwirtschaft. Hier will Disney auch Programme vor Ort produzieren.

„Wir werden sicher in den nächsten zwölf Monaten starten“, kündigt Hulbert an, der im Mickey-Mouse- Konzern das internationale Fernsehgeschäft verantwortet. Disney will allerdings den Vorstoß auf dem als kompliziert geltenden indischen Markt nicht alleine wagen. Hulbert spricht mit einem indischen Unternehmen über ein Joint-Venture. Den Namen des Partners wollte er nicht preisgeben.

Der indische Kabelmarkt ist mit insgesamt 30 000 Netzbetreibern stark fragmentiert. Deshalb arbeitet Disney daran, über lokale Partner größere Pakete zu schnüren, um möglichst schnell eine hohe Marktdurchdringung zu erzielen. Die Investitionssumme für den Markteintritt in Indien liegt bei mehreren zehn Mill. $. Genauere Angaben macht Disney nicht.

Ähnlich wie Konkurrent NBC Universal, Medientochter des Mischkonzerns General Electric, treibt Disney sein internationales Fernsehgeschäft stark voran. Disney ist allerdings mit 109 Fernsehkanälen in über 80 Ländern im Vergleich zu anderen Hollywood-Studios wie Sony oder MGM bereits gut aufgestellt. Erst vergangene Woche hatte Disney bekannt gegeben, mit der Marke ABC auch in Großbritannien als digitalen Fernsehkanal starten zu wollen

.

Disney sieht außerhalb des Heimatmarktes USA vor allem in Europa noch Wachstumschancen. „Der Fernsehmarkt ist noch jung und unterentwickelt“, glaubt Hulbert. Neben Großbritannien ist das im kalifornischen Burbank ansässige Unternehmen besonders in Deutschland präsent. Disney betreibt auf der Plattform des Bezahlfernsehens Premiere zwei Kinderkanäle und ist an den beiden frei empfangbaren Sendern RTL 2 und Super RTL beteiligt. Letzteren Anbieter betreibt Disney zusammen mit der Gütersloher Bertelsmann AG.

Von der Disney-Konzernzentrale hat der Kindersender Super RTL mittlerweile die Freigabe für den Aufbau eines Kinder- und Familiensenders in Polen bekommen. Derzeit verhandelt Super RTL mit der polnischen Mediengruppe ITI, sagte Super-RTL-Chef Claude Schmit am Rande der Filmrechtemesse L.A. Screenings in Los Angeles dem Handelsblatt.

„Wir wollen bereits im ersten Quartal 2005 starten“, kündigt der gebürtige Luxemburger an. Als Investitionssumme nennt er zehn Mill. Euro. Das Erreichen der Gewinnzone sei in zwei Jahren geplant. Der neue Kanal würde in Polen als mittlerweile fünfter Sender des börsennotierten Unternehmens ITI, das den beiden TV-Pionieren Jan Weichert und Mariusz Walter gehört, an den Start gehen.

Vom Ausbau des weltweiten Fernsehgeschäfts verspricht sich Disney gute Gewinne. „Wenn die Kanäle gut aufgestellt sind, werden sehr gute Renditen erzielt“, sagt Hulbert. Im US-Bezahlfernsehen seien Gewinnspannen bis zu 50 % erreichbar. Ansonsten würden sie zwischen 15 und 30 % lliegen.

Für den weltweiten Fernsehmarkt ist Disney ausgesprochen optimistisch. Von der Zukunftsangst mancher einst erfolgsverwöhnter Fernsehunternehmen will man in der Zentrale des Konzerns nichts wissen. „Viele der verantwortlichen Fernsehchefs haben einfach zu wenig Erfahrung, sonst würden sie nicht so panisch auf einen schwachen Werbemarkt reagieren“, sagt der 53-jährige Hulbert. Er hat als Vertreter des Gläubigers Disney den Zusammenbruch des Medienimperiums von Leo Kirch begleitet.

Disney selbst kommt allmählich wieder in ruhigere Fahrwasser. „Die Stimmung ist robust“, beschreibt Hulbert die Lage. Der umstrittene Konzernchef Michael Eisner hatte erst vor wenigen Wochen die optimistische Prognose für das laufende Jahr angehoben. Höhere Einnahmen in Disneys Vergnügungsparks und beim Sportsender ESPN sowie boomende Verkäufe von Filmen auf DVD machten im abgelaufenen Quartal die Schwächen des Filmstudios und des US-Fernsehsenders ABC mehr als wett. Disney legte zuletzt beim Quartalsumsatz gegenüber dem Vorjahr um 11 % auf 7,19 Mrd. $ zu. Der Nettogewinn stieg um 71 % auf 537 Mill. $.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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