Strategie über den Haufen geworfen
Telekom Italia sucht Heil in Übersee

Wie die Deutsche Telekom hat auch Telecom Italia große Probleme im Heimatmarkt. Und wie die Deutschen suchen auch die Italiener die Lösung im Auslandsgeschäft. Anders als beim Bonner Konzern sind es aber nicht die USA, in die die Milliardeninvestitionen fließen sollen.

HB MAILAND. Europas fünftgrößter Telekommunikationskonzern präsentierte am Freitag seinen Geschäftsplan bis 2009, der eine radikale Umkehr der bisherigen Strategie darstellt. Konzentrierte sich das Management in den vergangenen fünf Jahren zum Zwecke des Schuldenabbaus noch auf den Verkauf Dutzender Auslandsbeteiligungen, soll nun besonders in Lateinamerika kräftig expandiert werden. Zudem ist eine Wiederauflage der Gespräche mit dem spanischen Wettbewerber Telefonica über eine Zusammenarbeit geplant.

Knapp ein halbes Jahres nach seinem Amtsantritt kündigte Telecom-Italia-Chef Guido Rossi bis 2009 Investitionen von 15 Mrd. Euro an. Seinen Plänen zufolge soll der Umsatz in dem Zeitraum jährlich um bis zu 2 Prozent zulegen. Angestrebt ist dabei eine Verdoppelung des Anteils der Auslandserlöse auf 30 Prozent. Die Italiener wollen zudem bis dahin 24 Prozent ihres operativen Gewinns außerhalb der Heimat erzielen. Bislang sind es lediglich 16 Prozent.

„Brasilien ist in unserer internationalen Wachstumsstrategie die zentrale Region“, sagte Vizechef Carlo Buora. Allein hier planen die Italiener Investitionen von 2,4 Mrd. Euro und einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von mehr als 10 Prozent. Die dortige Mobilfunktochter TIM Brasil werde künftig auch im Breitband- und Festnetz-Geschäft tätig sein. Im vergangenen Jahr hatte Telecom Italia noch Angebote für die brasilianische Tochter erhalten, diese aber abgelehnt.

Probleme in der Heimat

Mit der Strategie-Umkehr reagiert Rossi auf Ertragsprobleme in Italien. In diesem Jahr rechnet Telecom Italia am Heimatmarkt mit einem Rückgang der Umsatzrendite auf operativer Ebene um 2,5 Prozentpunkte. 2006 musste das Unternehmen ein rund sechsprozentiges Minus beim Nettogewinn auf gut 3 Mrd. Euro hinnehmen.

An den Finanzmärkten stießen Rossis Pläne aber auf Skepsis: Die Aktien verloren in einem schwachen Marktumfeld knapp 1,5 Prozent auf 2,12 Euro. Grund hierfür sei die Ankündigung von Telecom Italia, die traditionell großzügige Dividende ab 2008 zu reduzieren, sagten Händler.

Auch im Führungsgremium von Telecom Italia stieß Rossi mit seinen Vorstellungen offenbar nicht nur auf Zustimmung. 3 der 21 Verwaltungsratsmitglieder enthielten sich bei der Abstimmung über die Strategie am Donnerstag. Händler sagten, Rossis Pläne machten die Partnersuche für den Pirelli-Konzern, der über die Olimpia-Holding Großaktionär bei Telecom Italia ist, schwieriger. Olimpia hält 18 Prozent an dem Telekommunikationsunternehmen. Pirelli sucht einen Partner, um die Erlöse aus dem teilweisen Ausstieg zum Schuldenabbau zu verwenden. Die Aktien des von Rossis Vorgänger Mario Tronchetti Provera geführten Unternehmens reagierten mit Kursverlusten.

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hatte unlängst Gespräche mit Olimpia auf Eis gelegt. Doch mit Telecom Italia wollten die Spanier noch diesen Monat wieder reden, sagte Rossi. „Es geht um einzelne Möglichkeiten der Kooperation.“ Wenn diese erfolgreich verliefen, sei eine Erweiterung auf andere Bereiche denkbar. Telecom Italia sei aber auch offen für Gespräche mit anderen potenziellen Partnern.

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