Sturmwarnung
Telekom-Chef Obermann sieht Ziele in Gefahr

Telekom-Chef René Obermann hat den Bereichsleitern Daumenschrauben angelegt – die Manager müssen im kommenden Jahr ihre Erträge stärker steigern, als sie das bisher in Aussicht gestellt haben. Sonst könnten 2011 die eigenen langfristigen Ziele verfehlt werden.
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DÜSSELDORF. Es war eine böse Überraschung für Telekom-Chef René Obermann: Vor einigen Wochen hatten alle Bereichsleiter ihre Ein- und Ausgabenplanung für das kommende Jahr an die Konzernzentrale geschickt, die Mitarbeiter in der Finanzabteilung haben die Zahlen zusammenaddiert. Das Ergebnis war ernüchternd: Es zeigt, dass die Telekom 2011 ihre eigenen langfristigen Ziele verfehlen könnte.

Der operative Gewinn vor Abschreibungen (Ebitda) und der Barmittelzufluss aus dem Geschäftsbetrieb (Cash-Flow) werden demnach unter den Zielen landen, die sich die Telekom in ihrer internen Dreijahresplanung für 2011 verordnet hat. Für den Konzern, dessen Kerngeschäft seit Jahren schrumpft, ist das ein weiterer Rückschlag.

Obermann hat deshalb auch sofort reagiert – und allen Sparten Daumenschrauben angelegt: Jeder Bereich muss nun höhere Ziele für das kommende Jahr erreichen, so die Order aus Bonn. Möglicherweise, das ist die Hoffnung im Vorstand, lässt sich dadurch die eigene Langfristplanung retten. Zudem soll Finanzchef Timotheus Höttges versuchen, mehr Barmittel freizuschaufeln. Üblicherweise geschieht dies durch eine Reduzierung von Vorratsbeständen – oder indem Rechnungen später bezahlt werden.

Das Problem ist nur: Normalerweise, so die Erfahrung in der Bonner Konzernzentrale, spiegeln die Budgeterwartungen der Bereichsleiter das kommende Geschäftsjahr sehr realistisch wider. Viel Spielraum für Steigerungen nach oben gibt es also nicht.

Dem Aufsichtsrat hat Obermann bislang auch noch keinen Vorschlag für eine neue Prognose unterbreitet. Das Kontrollgremium kennt die Dreijahresplanung und muss auch die aktuelle Prognose für 2011 absegnen.

Der Telekom-Chef steckt nun in der Zwickmühle: Entweder er setzt darauf, dass die Sparten ihre strengeren Zielvorgaben tatsächlich erfüllen, und schlägt dem Aufsichtsrat eine vergleichsweise ehrgeizige Prognose vor. Dann aber riskiert er im kommenden Jahr womöglich eine Gewinnwarnung, wenn die Sparten die höher gelegte Latte reißen.

Oder Obermann geht auf Nummer sicher, dann aber müsste er gegenüber seinem Aufsichtsrat eingestehen, dass er die ursprünglichen Ziele nicht halten kann. Noch überlegt der Telekom-Chef, welchen Weg er gehen soll – doch die Zeit drängt. „Das Management wird langsam hektisch, weil es bald auch öffentlich ein Gewinnziel kommunizieren muss“, sagt ein Insider. „Wir werden unsere Prognose zum gegebenen Zeitpunkt bekanntgeben“, sagte ein Sprecher, der sich dazu nicht weiter äußern wollte.

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  • Was kann man in gesättigten und umfassend ertragsschwachen Märkten anderes erwarten, als das, was der Telekom (und genau so anderen kleinen und großen Unternehmen) widerfährt, wenn das Unternehmen keine Alleinstellungsmerkmale hinsichtlich seines Hauptgeschäftes/Hauptproduktes/Services aufweisen kann und Wettbewerber gleich gut oder schlecht sind?
    Der Aktienkurs spiegelt es wider - seit Jahren. Da bleibt nur Rationalisierung und Ausgliederung der wenig profitablen bereiche...

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