Suche nach Leo Apotheker
Oracle setzte Detektive an

Bei seinem mit Spannung erwarteten Auftritt im Spionage-Prozess gegen SAP hat Oracle-Chef Larry Ellison seine Milliarden-Forderung für Verletzungen der Urheberrechte bekräftigt. Als Zeugen vorladen lassen will Oracle den früheren SAP-Chef und frisch gebackenen CEO von Hewlett-Packard, Leo Apotheker. Doch der lässt sich nicht finden. Jetzt soll Oracle Detektive auf Apotheker angesetzt haben.
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HB/asd OAKLAND. Im Milliardenstreit über gestohlene Software sucht Kläger Oracle nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters mit Privatdetektiven nach dem früheren SAP-Chef Leo Apotheker. Oracle will den jetzigen Hewlett-Packard-Manager vorladen lassen und erhofft sich von seiner Aussage bessere Chancen in dem Prozess gegen SAP.

SAP hatte die durch seine inzwischen geschlossene US-Tochter TomorrowNow begangenen Urheberrechtsverletzungen eingestanden und hofft, in dem Zivilprozess an dem Bezirksgericht in Oakland mit einigen Dutzend Millionen Dollar Schadenersatz davonzukommen. Oracle fordert dagegen Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Im Frühjahr 2007 hat Oracle, Erzfeind von SAP, Klage gegen den Walldorfer Konzern eingereicht. Glaubt man Ellison, hat SAP unter Apotheker - er war im Januar mit seiner Vertragsverlängerung bei SAP gescheitert - "systematisch Unternehmensspionage" begangen. SAP hat indessen Fehler eingeräumt. Doch Versuche, den Fall außergerichtlich zu regeln, sind gescheitert. Oracle will es sich nicht nehmen lassen, ein eindringliches Eingangsplädoyer vor der Jury und Beobachtern aus aller Welt abzugeben. Außerdem wollen Oracles Anwälte Apotheker in den Zeugenstand rufen. HP empfindet das als Affront. Apothekers Vorgänger Mark Hurd, der HP wegen unkorrekter Spesenabrechnungen verlassen musste, ist von Ellison angeworben worden. "Oracle hat deshalb große Motivation, Leo Apotheker schlecht aussehen zu lassen", sagt Morningstar-Analyst Michael Holt.

Der Chef des klagenden US-Konkurrenten Oracle, Larry Ellison, der für seine aufbrausende Art und seine scharfe Zunge bekannt ist, wirft dem Erzrivalen aus dem baden-württembergischen Walldorf schweren Datendiebstahl und sogar Industriespionage vor. Die grundlegenden Fakten sind dabei mittlerweile unstrittig: Mitarbeiter der inzwischen geschlossenen SAP-Wartungstochter Tomorrow Now hatten mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Konkurrenten heruntergeladen, um dessen Software im Auftrag von Firmenkunden pflegen zu können.

Ellison bezifferte den Wert einer Lizenz, wenn SAP diese regulär erworben hätte, auf rund vier Mrd. Dollar. „Wenn sie die Software gratis bekommen könnten, hätten wir große Schwierigkeiten, unsere Mitarbeiter zu bezahlen“, sagte Ellison nach Angaben der Finanz- Nachrichtenagentur Bloomberg vor Gericht. Er muss eine Jury von seiner Sicht der Dinge überzeugen; in etwa vier Wochen wird ein Urteil erwartet.

SAP wollte über den Umweg einer günstigen Wartung Oracle die Kunden abspenstig machen. Beide Konzerne stellen Programme für Firmen her, mit denen diese etwa ihre Buchhaltung erledigen oder Kunden verwalten. Das Unterfangen scheiterte allerdings, SAP machte die erst 2005 übernommene Tomorrow Now letztlich dicht.

Fraglich ist, inwiefern die SAP-Führung von den Umtrieben der Tochterfirma wusste. Oracle wirft dem Vorstand vor, eingeweiht gewesen zu sein, dieser streitet den Vorwurf ab. Für den finanziellen Schaden will SAP auf jeden Fall geradestehen. Mit den gebotenen Millionen sind die Deutschen aber weit von den Forderungen der Gegenseite entfernt.

Kommentare zu " Suche nach Leo Apotheker: Oracle setzte Detektive an"

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  • Jeder auch Herr Ellison kann von Deutschland zur unerwünschten Person erklärt werden und dann kein Plaisir an der Cote d'azur wegen des Schengen-Abkommens.

    Und die ich-wünsch-mir-viel-Geld-Schäden bei Softwarepiraterie sind ja bekannt. Das Ausweichen auf freie Software mit etwas weniger Funktionen ist oft möglich.
    Und dann entfällt auch die kostenlose Ausbildung zu diesen Programmen und damit auch die ausgebildeten Leute. Und schon fällt der Umsatz, den Oracle bildet keine Datenbankspezialisten auf eigene Kosten aus.

    Wer nicht in solche bedrängnis kommen will, muss auf opensource setzen und SAP sollte sich einen anderen GPL-Datenbankhersteller suchen oder machen.
    Alternativen stehen schon heute zur Verfügung.

  • Milliardenforderung an SAP von Oracle.Früher die "erzwungenen" Käufe in Höhe von 400-500 Milliarden der verbrieften "toxic assets" von den deutschen Landesbanken , noch früher Milliarden von VW an GM (i.Lopez), bMW-Rover ,Mercedes-Chrysler, Telekom-Clearstream (Ron Sommer), WTC-Türme-Allianz ( Milliarden an L.Silverstein)Siemens etc.etc.
    Diese bRD wird seit Jahren von ihren Freunden ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.Einfach gigantisch dabei die helfende Rolle unserer politischen und ökonomischen Eliten!
    bRD the Pay-master of NATO, EU, USA and......

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