Taiwanesische Investoren gehen mit chinesischen Partnern zusammen
In China wird Schlacht um Microchips entschieden

Im Reich der Mitte tobt der Chip-Krieg. Als Infineon-Chef Ulrich Schumacher vor zwei Wochen die neue China-Zentrale des Unternehmens in Schanghai einweihte, sagte er nicht nur, das Land sei „der am schnellsten wachsende Elektronikmarkt der Welt“. Schumacher setzte auch im Wettkampf mit den südkoreanischen Chip-Konzernen, die in China den Markt dominieren, noch eins drauf. Infineon, so der Chef, wolle seinen Marktanteil in China in den nächsten fünf Jahren auf 10 % verdoppeln.

HB/mg PEKING. Schumachers Einschätzung wird nicht nur von den Konkurrenten, sondern auch von fast allen Analysten geteilt. Das Marktforschungsunternehmen Gartner Inc. sagt vorher, dass Chinas Halbleitermarkt im kommenden Jahr um 20 % auf 36 Mrd. $ wachsen wird und damit bereits 42 % des Gesamtmarktes im asiatisch-pazifischen Raum ausmachen wird.

„Weil zunehmend elektronische Produktion und Komponenteneinkauf nach China wandern, steigt das Land zum zentralen Kriegsschauplatz im globalen Dram- Markt auf“, bestätigt Nam Hyung Kim beim US-Marktforscher iSuppli. Grund dafür ist vor allem das rasante Wachstum des Chip-Verbrauchs in China. Das Reich der Mitte ist mittlerweile der weltweit größte Markt für Mobilfunk und der zweitgrößte PC-Hersteller.

iSuppli hat in einer Studie für die Münchener Messegesellschaft im Juli darauf hingewiesen, dass die Produktion von LCD-Monitoren in China von 1,65 Mill. Einheiten im Jahr 2001 auf 10,6 Mill. im Jahr 2002 stieg. Und im Energiesektor, der zurzeit neu geordnet und langsam geöffnet wird, soll sich die Nachfrage nach Halbleitern bis 2007 auf 582 Mill. $ mehr als verdoppeln. Auch die gewaltigen Zuwachsraten im Automobilsektor und bei Hausgeräten heizen den Chip-Verbrauch an.

Der Boom in der Konsumelektronik lässt die Nachfrage nach Chips förmlich explodieren. China verbraucht 7 % der weltweit hergestellten Chips, stellt aber nur 2 % der globalen Fertigungskapazität. Die Regierung in Peking heizt mit steuerlichen und anderen Anreizen die lokale Produktion an, um die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren. Hinzu kommt, dass in China Kapital für Investitionen in die Chip-Fertigung relativ günstig ist.

Die derzeit stärkste Triebfeder für das sensationelle Marktwachstum dürfte aber eine andere sein. Immer mehr chinesische und taiwanesische Unternehmen, zunehmend auch im Designbereich, bilden Allianzen und koppeln so Taiwans Technologie mit Chinas Kostenvorsprung. Bis 2008, so schätzt man bei iSuppli, könnten vor allem die Designhäuser der Branche in China 40 % des Weltmarktes erobern und die Dominanz der USA ablösen. Dass diese Entwicklung nicht nur massiv sondern auch atemberaubend schnell vonstatten geht, zeigt sich daran, dass 80 % der 400 chinesischen Firmen für Chipdesign noch als Startups gelten.

Das Epizentrum des gigantischen Nachfrageschubs nach Chips in China liegt im Jangtse-Delta, genau dort, wo Infineon expandieren will, in Suzhou. In der Gartenstadt rund 80 km westlich von Schanghai, werden die meisten Laptop- Computer der Welt hergestellt. Mit 10 Millionen Geräten liefern die Hersteller aus Suzhou ein Viertel der weltweiten Produktion. Vier von zehn Firmen, die sich hier ansiedeln, sind taiwanesische Technologie-Unternehmen. Neun der zehn größten Computerhersteller Taiwans haben in Suzhou Fabriken errichtet. Die Bedeutung der Hi-Tech-Invasion aus Taiwan kann man kaum überschätzen, denn im vergangenen Jahr strichen Taiwans Firmen 70 % des globalen Halbleiterumsatzes ein.

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