Tech-Konzerne gegen Trump
„Wir dürfen diesen Hass nicht erlauben“

Apple-Chef Tim Cook rückt mit einem emotionalen Brief an seine Mitarbeiter von US-Präsident Trump ab. Wie der iPhone-Hersteller positionieren sich viele Tech-Konzerne gegen die neue Rechte – und ergreifen Maßnahmen.
  • 20

DüsseldorfDie Ereignisse der vergangenen Tage haben Apple-Chef Tim Cook tief getroffen: Charlottesville. Brennende Fackeln. Ultrarechte, die „Juden werden uns nicht ersetzen“ rufen. Ein Auto rast in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Menschen liegen blutend auf der Straße. Schreie. Eine junge Frau stirbt. Ein US-Präsident, der sich nicht klar gegen die Rechten positioniert, sondern den Gegendemonstranten eine Mitschuld gibt. Zweimal.

Was in Charlottesville passiert sei, habe keinen Platz in ihrem Land, schrieb Cook daraufhin am Mittwoch in einen Brief an seine Mitarbeiter. Hass sei Krebs und zerstöre unkontrolliert alles in seinem Weg. Die Geschichte habe das wieder und wieder gezeigt, sowohl in den USA als auch in anderen Ländern rund um die Welt.

Dabei positioniert er sich deutlich gegen Donald Trump. Er stimme dem US-Präsidenten und anderen nicht zu, die glaubten, dass es moralisch keinen Unterschied gebe zwischen rechten Gruppen und Nazis sowie denen, die sich ihnen entgegenstellten und für Menschenrechte einträten. „Die beiden gleichzusetzen läuft unseren Idealen als Amerikaner entgegen“, schreibt er in dem Brief, den zuerst das US-Onlinemagazin Recode veröffentlichte.

Auch Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan Chase, schickte nach der schlagzeilenträchtigen Pressekonferenz von Trump am Dienstag eine Nachricht an seine Mitarbeiter. Er stimme Trumps Reaktion ausdrücklich nicht zu, schrieb er: „Es gibt hier keinen Raum für Zweideutigkeiten: Die Bösartigkeit, die diese Hass-Täter gezeigt haben, sollte verurteilt werden, und hat keinen Platz in einem Land, das seine Stärke aus Menschlichkeit und Vielfalt zieht.“

Mit ihrer klaren Positionierung folgen die beiden Bosse anderen Unternehmenschefs, die sich schon gegen Trump gestellt haben. Seit dem Wochenende haben unter anderem die Chefs des US-Pharma-Unternehmens Merck & Co, des IT-Giganten Intel und des Industriekonzerns 3M die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten beendet. Der hatte einigen daraufhin in der Pressekonferenz am Dienstag vorgeworfen, sie würden zu viel im Ausland produzieren, ohne Namen zu nennen. Er habe ihnen wiederholt erklären müssen, sie sollten die Produktion ins Inland verlagern.

Am Mittwoch gab Trump dann auf Twitter bekannt, er habe die Arbeit des Strategieforums und des Industrierates beendet. Er habe den Schritt vollzogen, „anstatt Druck auf die Geschäftsleute auszuüben“. Das Strategieforum selbst erklärte, „der Präsident und wir“ hätten die Auflösung beschlossen. In der Mitteilung hieß es, der Streit über die Mitgliedschaft in dem Gremium lenke inzwischen von dessen Zielen ab. „In diesem Land haben Intoleranz Rassismus und Gewalt absolut keinen Platz.“ An den US-Finanzmärkten lastete die Nachricht auf den Aktienkursen und dem Dollar.

Auch fernab des politischen Parketts positionierten sich US-Unternehmen in den vergangenen Tagen gegen rechts. Der Ferienwohnungsvermittler Airbnb hatte bereits vor dem Aufmarsch in Charlottesville das Nutzerkonto von rechten Teilnehmern gelöscht. Facebook schloss rechtsextreme Gruppen und löschte Links zu einem Artikel auf der rechten Website „Daily Stormer“. Der Bezahldienst Paypal ließ wissen, dass er „Hass, Gewalt und rassistische Intoleranz“ nicht fördern wolle. Organisationen wie der Ku-Klux-Klan und Nazigruppen sollen darüber keine Zahlungen abwickeln können.

Der Webhoster Godaddy und Google warfen den „Daily Stormer” heraus und kündigten an, die Website nicht mehr auf ihren Servern zu speichern. Selbst das Portal Reddit schloss ein Forum, in der Nutzer rechte Gewalt verherrlichten – das ist deshalb bemerkenswert, weil es sonst auch extremen Positionen eine Plattform bietet und in der rechten Alt-Right-Szene beliebt ist.

Seite 1:

„Wir dürfen diesen Hass nicht erlauben“

Seite 2:

Auch die Macht der Konzerne ist begrenzt

Kommentare zu " Tech-Konzerne gegen Trump: „Wir dürfen diesen Hass nicht erlauben“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Den ist besser, Herr Erbsenzähler. Ich halte es mit Grass, die Schreibe an sich ist das Werk.

  • Herr Peter Spiegel - 17.08.2017, 18:26 Uhr
    Lesen bildet alter Erbsenzähler
    Der oder das Primat der Politik
    -------------
    Da schau her, der oder das. Und nicht den (wie in Ihrem Kommentar um 17:27 Uhr an, Sie Deutschverdreher. So lernen Sie noch etwas vom alten Erbsenzähler.

  • Lesen bildet alter Erbsenzähler
    Der oder das Primat der Politik (lat. primatus ‚Vorrang‘[1]) ist in der Politikwissenschaft die Vorrangstellung der Politik vor anderen Gesellschaftsbereichen wie dem Militär oder der Wirtschaft.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Primat_der_Politik

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%