Telekom Austria
Carlos Slim hat seine Freude an Österreich

Telekom Austria schraubt den Gewinn in die Höhe – dank eines Sparprogramms. Die Märkte in Osteuropa bleiben für die Österreicher zwar schwierig. Dennoch kann der mexikanische Großaktionär Carlos Slim zufrieden sein.
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WienÖsterreichs größter Telekomkommunikationskonzern macht seinen mexikanischen Großaktionär Carlos Slim Freude. Im ersten Quartal hat die Telekom Austria ihren Nettogewinn auf knapp 93 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 44 Prozent auf knapp 140 Millionen Euro.

Vor allem der Sparkurs führte zu diesem positiven Ergebnis. Die Kosten wurden in den ersten drei Monaten um annähernd zwei Prozent gesenkt. „Wir optimieren das operative Geschäft, drehen jeden Cent um und trimmen die Telekom Austria Group wieder auf Wachstumskurs“, sagte Vorstandschef Hannes Ametsreiter am Mittwoch.

„Das Ergebnis liegt deutlich über den Markterwartungen“, sagte Analyst Bernd Maurer von der Raiffeisen Centrobank dem Handelsblatt, der die Aktie zum Kauf empfiehlt. Über den Berg ist die Telekom Austria zwar noch lange nicht, weil die Erlöse stagnieren. Einschließlich der Währungseffekte in Weißrussland gab es im ersten Quartal sogar einen leichten Umsatzrückgang um zwei Prozent auf 956 Millionen Euro. Die Telekom Austria ist in einigen Ländern Osteuropas wie Weißrussland, Bulgarien, Kroatien, Serbien, Slowenien und Mazedonien stark vertreten ist.

In diesem Jahr erwartet Telekom Austria ein Umsatzplus von rund zwei Prozent. Der Konzern investiert gerade stark im Heimatmarkt Österreich. Insgesamt will das Wiener Unternehmen rund 700 Millionen Euro investieren, davon 400 Millionen in der Alpenrepublik. Der Vorstand schlägt für die Hauptversammlung Ende Mai eine konstante Dividende von fünf Cent. Experten erwarten für nächstes Jahr eine leicht höhere Ausschüttung.

Mehrheitsaktionär Carlos Slim mit seinem mexikanischen Telekommunikationsriesen América Móvil will die Telekom Austria zu einer gewinnträchtigen Tochter machen, um seine Expansion in Europa voranzutreiben. In einigen Märkten Osteuropa konkurriert seine österreichische Tochter direkt mit der Deutschen Telekom. Als Verbindungsmann entsandte Slim vor kurzem den öffentlichkeitsscheuen Argentinier Alejandro Plater nach Wien. Er ist dort vor kurzem als COO in den dreiköpfigen Vorstand der Telekom Austria eingezogen. Slim hält 59,70 Prozent an der Telekom Austria. 28,42 Prozent sind im Besitz der Republik Österreich.

Experten erwarten, dass die Telekom Austria für eine nachhaltige Wende noch mehr Zeit braucht. „Die positiven Effekte durch den Mehrheitsgesellschafter América Movil werden noch dauern. Sie stellen sich nicht nach einem oder zwei Jahren ein“, sagte Analystin Vera Sutedja von der österreichischen Erste Bank.

Das größte Sorgenkind ist das Geschäft in Bulgarien und hat das Unternehmen schon viele Hundert Millionen Euro gekostet. Die Perspektiven in dem Balkanland, in dem Korruption und Rechtsunsicherheit weitverbreitet sind, bleiben nach Ansicht von Analyst Maurer schwierig. Trotz Umbauten der bulgarischen Tochter Mobiltel gehen Erlöse und Erträge zurück. Operativ war das Geschäft in dem Balkanland immerhin in den schwarzen Zahlen.

Auch in Kroatien, das sich seit sieben Jahren in der Rezession befindet, laufen die Geschäfte schlecht. Dort sanken wegen der harten Wettbewerbssituation und der staatlichen Telekommunikationspolitik die Gewinne und die Zahl der Mobilfunkkunden. Im wichtigen Markt Weißrussland haben die Österreicher trotz gut laufender Geschäfte mit Hyperinflation und starke Währungsschwankungen zu kämpfen.

Die in Wien an der Börse gelistete Telekom Austria hat insgesamt 23 Millionen Kunden in acht Ländern.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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