Telekommunikationskonzern
Slim könnte KPN komplett übernehmen

Carlos Slim will mehr: Der Milliardär plant offenbar mit der Übernahme des niederländischen Telekom-Konzerns KPN. Der Milliarden-Deal um Telefonica und E-Plus spielt dabei eine entscheidende Rolle.
  • 0

AmsterdamIn den europäischen Telekommunikationsmarkt könnte nach dem Börsengang von o2 und der geplanten Übernahme von E-Plus schon bald weitere Bewegung kommen. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim hat sich nur wenige Monate nach seinem Einstieg bei der E-Plus-Mutter KPN die Möglichkeit eröffnet, den niederländischen Telekommunikationskonzern ganz zu schlucken. Slims Unternehmen America Movil beendete dazu eine Kooperations- und Stillhalte-Vereinbarung, die den Anteil auf unter 30 Prozent begrenzte, wie KPN am Montag mitteilte. Mit der Aussicht auf eine baldige Aufstockung des Anteils, gewann die KPN-Aktie zeitweise fast sechs Prozent.

Slim war 2012 bei KPN eingestiegen und hält derzeit 29,8 Prozent der Anteile. Falls America Movil seinen Anteil auf über 30 Prozent erhöht, müsste das Unternehmen im gleichen Atemzug ein Übernahmeangebot für den gesamten Konzern vorlegen. KPN selbst hat den Weg dafür geebnet: die Kündigung des Stillhalteabkommens wurde möglich, weil sich der Konzern vorige Woche mit der spanischen o2-Mutter Telefonica auf einen acht Milliarden schweren Verkauf von E-Plus einigte, wie KPN erläuterte.

America Movil hat aber Bauschmerzen mit dem Geschäft, weil es E-Plus - die Kronjuwele im KPN-Konzern - offenbar unterbewertet sieht. Da der Verkauf noch von den Kartellbehörden genehmigt werden muss, bliebe Slim noch etwas Zeit, die Kontrolle über KPN zu erhalten und das Vorhaben möglicherweise zu stoppen. Über seine Absichten wurde aber zunächst nichts bekannt. Zu der KPN-Mitteilung äußerte sich America Movil, das seit seinem Einstieg bei KPN rund zwei Milliarden Euro seines Investments verloren hat, nicht.

Ein KPN-Sprecher sagte, America Movil habe nicht mitgeteilt, ob es seinen KPN-Anteil auf über 30 Prozent ausbauen wolle. "Sie können nun ihren Anteil erhöhen, aber ich sehe nicht, dass das kurzfristig passieren wird", sagte AFS-Brokers-Analyst Christopher Ho. Experten zufolge müsste sich der Konzern für eine Komplettübernahme wegen seiner hohen Schulden schon sehr strecken. Alternativ könnte America Movil seinen KPN-Anteil verkaufen, aber erst nach der Übernahme von E-Plus durch O2.

Am Freitag hatte America Movil lediglich mitgeteilt, weiter darüber nachzudenken, ob es den Verkauf von E-Plus an o2 unterstütze. Dieser wird Europas größten Mobilfunkmarkt neu ordnen. Durch die Fusion würden die beiden kleineren Anbieter hinter der Deutschen Telekom und Vodafone am deutschen Markt auf einen Schlag zum neuen Marktführer. Da Deutschland dann nur noch drei Handy-Netzbetreiber hätte, werden die Kartellbehörden den Plan gründlich prüfen.

Mit einem Abschluss der Transaktion rechnen die Unternehmen erst im kommenden Sommer. Hauptantrieb sind hohe Einsparungen von bis zu 5,5 Milliarden Euro, die vor allem dadurch erreicht werden, dass nur noch eins der bisher zwei Netze betrieben werden muss.

Slim war im vergangenen Jahr im größeren Stil in den europäischen Telekommunikationsmarkt vorgedrungen. Neben KPN beteiligte sich der Milliardär auch an Telekom Austria. Experten erwarteten schon damals, dass sich Slim damit nicht begnügen will, sondern seine Anteile an beiden Unternehmen aufstocken will und sich nach weiteren Übernahmezielen umsieht.

Dass er es auf die Kontrolle abgesehen hat, zeigt die Tatsache, dass der Konzern an seinen Töchtern von den USA bis Argentinien nie weniger als 88 Prozent hält. Und der Zeitpunkt für Übernahmen im Telekommunikationssektor ist recht günstig. Die Aktienkurse sind niedrig und viele Konzerne trennen sich von Geschäften, weil die Konkurrenz zu groß ist und Wachstumsaussichten fehlen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Telekommunikationskonzern: Slim könnte KPN komplett übernehmen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%