„Teuer und langsam“
Oracle-Chef lästert über Hewlett-Packard

Oracle-Konzernchef Larry Ellison legt im Clinch mit Hewlett-Packard nach und redet deren Server schlecht. "Teuer und langsam" seien diese. Die Attacke könnte ein Versuch sein, den Absatz der eigenen Serverangebote zu fördern. Freunde macht sich Ellison damit nicht. Neben HP ist nun auch IBM sauer auf den aggressiven Manager.
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FRANKFURT/MÜNCHEN. Ein ausgeprägtes Ego gehört im Silicon Valley dazu. Unter all den Alpha-Tieren hat Oracle-Chef Larry Ellison das forscheste Mundwerk. Konkurrent Hewlett-Packard (HP) bekam das jetzt wieder zu spüren: "Teuer und langsam" seien die Hochleistungs-Server des Rivalen, spottete der Milliardär, als er Ende vergangener Woche die jüngsten Quartalszahlen seines Konzerns erläuterte.

Ellison hat nicht irgendwen angegriffen, sondern den mit Abstand größten Serverproduzenten der Welt. Fast ein Drittel aller Netzwerkrechner wurden im dritten Quartal von HP geliefert. Oracle hingegen taucht unter den Top-Anbietern - gemessen an den Stückzahlen - gar nicht auf und liegt mit einem Marktanteil von gut sechs Prozent auf Rang fünf der führenden Anbieter, wenn es um den Umsatz geht. Statistiken haben Ellison aber noch nie sonderlich interessiert. Seine Firma nehme HP und IBM, der Nummer zwei im Server-Geschäft, rasant Marktanteile im oberen Segment ab, behauptet er. Dass sich Ellison überhaupt für Rechner interessiert, hat einen einfachen Grund: Im Januar hat er für 7,4 Milliarden Dollar den schwer angeschlagenen Serverproduzenten Sun Microsystems geschluckt. Bis dahin war Oracle ein reiner Softwareanbieter.

Der neue Lieblingsfeind

Inzwischen hat Oracle mit Exadata ein Paket im Programm, in dem die Rechner auf die Datenbank-Programme des Konzerns abgestimmt sind. Über den Erfolg sind Analysten noch uneins, oft würden die Kunden das Angebot derzeit erst einmal testen, heißt es. Ellison spricht von Aufträgen über zwei Milliarden Dollar für Exadata, eine halbe Milliarde mehr als im Vorquartal. HP ist neben SAP seit dem Sommer der Lieblingsfeind des 66-Jährigen. Der größte IT-Konzern der USA hatte im August seinen Vorstandschef Mark Hurd wegen einer Spesenaffäre rausgeworfen. Kurz darauf holte Ellison seinen Freund an Bord. Vor der Sun-Akquisition waren die beiden Firmen jahrelang Partner. Die erste Version von Exadata hatte Oracle sogar noch mit HP entwickelt.

"HP-Server sind langsam, teuer und sie bringen wenig bis gar keinen Zusatznutzen durch Software. Das macht HP im kommenden Jahr sehr anfällig für den Verlust von Marktanteilen", betonte Ellison jetzt. "Es ist nicht selten, dass Exadata zehn Mal schneller ist als die Produkte der Wettbewerber", tönte er. Oracle erzielte im letzten Quartal einen Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar, 400 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg von 5,9 Milliarden auf 8,6 Milliarden Dollar. Sun-Server trugen laut Ellison knapp 1,1 Milliarden zu den Erlösen bei.

HP konterte nüchtern. Oracle habe eine verlustreiche Firma gekaut, die seit Jahren Marktanteile verliere. Sun-Kunden würden geradezu massenhaft zu HP wechseln. Auch IBM wollte die Verbalattacken nicht stehen lassen: Alleine im dritten Quartal seien gut 400 Kunden von Oracle zu IBM gekommen, heißt es.

Neue Aggressivität

Das Geschäft mit Netzwerkrechnern wächst kräftig, nicht zuletzt, weil der Verkehr im Internet stark zunimmt und immer mehr Daten gespeichert werden. Den Marktforschern von Gartner zufolge haben Unternehmen im dritten Quartal weltweit gut zwölf Milliarden Dollar für Server ausgegeben, 15 Prozent mehr als 2009. Oracle steht mit seiner Strategie nicht alleine da, Soft- und Hardware aus einer Hand anzubieten. IBM verfolgt den Ansatz seit Jahren, HP hat eine Aufholjagd gestartet. SAP hingegen sieht seine Zukunft nach wie vor nur in Software. Mit Ellison kommt eine nicht gekannte Aggressivität auf den Servermarkt. So hatte Oracle jüngst einen Vergleich verschiedener Netzwerkrechner in punkto Geschwindigkeit und Kosten veröffentlicht. Der Aufwand pro Transaktion, die der Netzwerkrechner erledigt, zählt zu den wichtigsten Kaufkriterien.

Dem Test zufolge hatte ein Oracle-System mit Servern von Sun die Datenbank von IBM deutlich übertroffen. Doch IBM bezweifelt massiv die Ergebnisse. Oracle habe die Ergebnisse nur mit Tricks erzielt. Das Unternehmen habe bei sich die Kosten für die Hardware und auch die Software-Lizenzen deutlich zu niedrig angesetzt, wettert IBM-Manager Hans-Peter Winter. Lange Jahre hat die Branche Ellison, der in den letzten Jahren über 60 Firmen hinzukaufte, belächelt, inzwischen nimmt den stets schwarz gekleideten Oracle-Boss jeder sehr ernst - hat er doch mehrfach bewiesen, wie schnell und aggressiv er Übernahmen in bare Münze umsetzt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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