Tochterunternehmen von Liberty Media erreicht in Deutschland Rekordergebnis
Einkaufssender QVC hängt die Konkurrenten ab

Der Einkaufssender QVC baut seine Position als Marktführer in Deutschland aus. Das Düsseldorfer Fernsehunternehmen, eine Tochter des US-Medienkonzerns Liberty Media übersprang erstmals die Grenze von einer halben Milliarde Euro Umsatz.

DÜSSELDORF. Damit lässt QVC Konkurrenten wie HSE 24 und RTL Shop weit hinter sich – sie haben im vergangenen Jahr Rückgänge verzeichnet. Der Nettoumsatz von QVC Deutschland stieg um annähernd 37 Prozent auf 516 Mill. Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um knapp 35 Prozent auf 74,6 Mill. Euro zu. „Wir haben mit unserer Geschäftsphilosophie der absoluten Kundenorientierung den Nerv der Zeit getroffen“, sagte QVC-Chef Ulrich Flatten zur Erklärung. Besonders Mode- und Haushaltsartikel seien gefragt.

Die beiden schärfsten Konkurrenten Home Shopping Europe (HSE 24) und RTL Shop kämpfen hingegen angesichts hausgemachter Probleme gegen sinkende Umsätze. „Wir sind beim Umsatz im letzten Jahr um zehn Prozent geschrumpft", sagte HSE-Chef Konrad Hilbers kürzlich. 2004 beliefen sich die Erlöse des früheren Marktführers auf nur 275 Mill. Euro. Hilbers, ehemals Chef der Musiktauschbörse Napster, kündigte nur einen „mittleren einstelligen Millionen-Euro-Gewinn“ an.

Der Sender des US-Medienunternehmers Barry Diller (Inter Active Corp.) will aber nun aus der Defensive kommen. Zum Neustart gehören auch klare Gesellschafterverhältnissen. Erst vor Wochen verkaufte der Handelskonzern Karstadt-Quelle für zehn Mill. Euro seinen Minderheitsanteil an HSE 24 an Diller.

Auch der RTL Shop, eine Tochter von RTL Deutschland und des französischen Bertelsmann-Senders M 6, kämpft

gegen die übermächtige Konkurrenz von QVC. Zuletzt legte der Kanal enttäuschende Zahlen vor. Die Umsätze sanken um mehr als zwölf Prozent auf nur noch 80 Mill. Euro. Die Verluste beliefen sich auf drei Mill. Euro (Vorjahr: zehn Mill.) 2005 will RTL-Shop-Chef Heinz Scheve nun schwarze Zahlen abliefern. „Unser wichtigstes Ziel für 2005 ist das Erreichen der Gewinnzone – und wir sind sehr optimistisch, dass wir dieses Ziel erreichen““, sagte Scheve am Mittwoch.

Die Branche kann trotz schwacher Konjunktur weiter auf Wachstum hoffen. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels geht davon aus, dass die Teleshoppingsender dieses Jahr Erlöse von mehr als einer Mrd. Euro erzielen werden. „Teleshopping wird weiter wachsen – und das gilt nicht nur für die Umsätze sondern vor allem für die Erträge“, prognostiziert zudem RTL-Manager Scheve.

Nach Ansicht der Berliner Medienberatung Goldmedia wird der Umsatz der Teleshopping-Unternehmen bis in den nächsten vier Jahren rund die Hälfte wachsen. Ein weiterer Schub für das Teleshopping wird nach Ansicht von RTL von der Einführung rückkanalfähiger Kabelnetze ausgehen, die über kurz oder lang auch in Deutschland zur Verfügung stehen werden.

QVC will an dem Boom überdurchschnittlich teilhaben. „Wir gehen davon aus, auch weiterhin zweistellig zu wachsen“, sagte Senderchef Flatten dem Handelsblatt. Insider gehen davon aus, dass QVC in diesem Jahr die 100-Mill.-Grenze beim Ebitda überspringen will.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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