Traditionsmarke überlebt
Chinesen retten TV-Hersteller Metz

Die fränkische Traditionsmarke Metz bleibt erhalten. Der chinesische Konkurrent Skyworth übernimmt die Fernsehgerätesparte des insolventen Familienunternehmens. Doch es müssen noch einmal viele Mitarbeiter gehen.
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MünchenMetz ist gerettet: Das ist die gute Nachricht für die leidgeprüften Mitarbeiter des Mittelständlers aus dem fränkischen Zirndorf. Der chinesische Elektronikkonzern Skyworth übernimmt die Fernsehgeräteproduktion. Trotzdem dürften viele Arbeitnehmer schwer enttäuscht sein. Von den verbliebenen 219 Mitarbeitern der Sparte sollen nur 152 weiter beschäftigt werden, teilte Insolvenzverwalter Joachim Exner am Dienstagmorgen mit.

Metz stellt nicht nur Fernseher her, sondern auch Blitzgeräte. Dieser Bereich geht laut Exner an die Fürther Daum-Gruppe. Der Mittelständler produziert Antriebe für Elektrofahrräder und wird künftig 146 von 174 Mitarbeitern der Division einen Arbeitsplatz bieten.

Metz hatte vergangenen Herbst Insolvenz angemeldet. Die 1938 gegründete Firma ist eine der letzten, die noch in Deutschland TV-Geräte produziert. Sie litt in den vergangenen Jahren zunehmend unter der Konkurrenz asiatischer Hersteller, die deutlich günstigere Modelle anbieten. In der jüngeren Vergangenheit hatte Metz mehrere Jahre mit Verlust abgeschlossen, der Umsatz brach ein. Das Unternehmen richtete sich als Nischenanbieter mit qualitativ hochwertigen und entsprechend teuren Produkten vor allem an ältere Kunden – doch das Konzept ging zuletzt nicht mehr auf.

2013 hatte bereits der bayerische Wettbewerber Loewe Insolvenz angemeldet, schon 2003 war Grundig pleite gegangen. Beide Marken gibt es noch, von alter Größe sind die Firmen unter ihren neuen Eigentümern aber weit entfernt.
Skyworth ist Insolvenzverwalter Exner zufolge einer der führenden chinesischen TV-Gerätehersteller mit 37.000 Mitarbeitern.

Produktion und Entwicklung in Zirndorf sollen erhalten bleiben, gleichzeitig werde Metz das Zentrum für die Expansion unter der eigenen Marke der Chinesen in Europa. „Mit Skyworth und Daum hat Metz jetzt zwei starke Partner an seiner Seite, die über eine klare Vision und einen langen Atem verfügen“, betonte Exner. „Damit hat Metz wieder eine langfristige Perspektive.“ Die Mitarbeiter, die von den Investoren nicht übernommen werden, könnten für ein halbes Jahr in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln.

Es ist nicht das erste Mal, dass Chinesen einen deutschen TV-Geräte-Produzenten übernehmen. Anfang des Jahrtausends kaufte TCL die insolvente Schneider Electronics im schwäbischen Türkheim. Die Asiaten hatten große Pläne, die sie freilich nie umgesetzt haben. Statt Schneider kauften die Kunden lieber Samsung, Sony oder Panasonic.

Auch für Skyworth dürfte es nicht einfach werden. Der TV-Absatz in Westeuropa ist vergangenes Jahr zwar um drei Prozent auf 34 Millionen Stück gewachsen. Gleichzeitig ging der Durchschnittspreis den Marktforschern der GfK zufolge aber um drei Prozent auf 477 Euro zurück.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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