TV-Sender
RTL trotzt der Werbeflaute

Europas größter TV-Konzern RTL Group trotzt dank seines starken Geschäfts in Deutschland dem Konjunkturabschwung. Anders als Konkurrent Pro Sieben Sat 1 steigerte das Unternehmen 2008 auch ohne Übernahmen seinen Umsatz und schrieb einen Nettogewinn.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. An Hauptaktionär Bertelsmann fließt eine halbe Milliarde Euro Dividende. Nach einem Einbruch der europäischen Werbemärkte zum Jahresbeginn erwartet RTL-Chef Gerhard Zeiler für 2009 einen Ergebnisrückgang und tritt auf die Kostenbremse.

"Es ist zu erwarten, dass das Profitabilitätsniveau unter dem von 2008 liegen wird", erklärte Zeiler am Donnerstag in Luxemburg. Im vergangenen Jahr stieg der bereinigte Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) um 4,1 Prozent auf 971 Mio. Euro. Dazu trugen insbesondere die deutsche RTL-Senderfamilie (RTL, RTL II, SuperRTL, Vox und n-tv), die das Ergebnis um gut ein Viertel steigerte, sowie die Produktionsfirma Fremantle Media bei, die rund 18 Prozent mehr verdiente.

Anders als die Münchener Pro Sieben Sat 1 setzt RTL verstärkt auf Eigenproduktionen, auch in den USA. Fremantle produziert Publikumsmagneten wie "Deutschland sucht den Superstar" und das US-Pendant "American Idol". Der RTL-Konzernumsatz legte bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Währungseffekte um 2,6 Prozent auf 5,75 Mrd. Euro zu, während ProSiebenSat.1 nur dank der Übernahme der europäischen Sendergruppe SBS ihre Erlöse steigern konnte.

Dieser Zukauf brachte dem Münchener Konkurrenten, der zudem mit einem neuen Vermarktungsmodell für Werbe-Spots nicht den angestrebten Erfolg erzielte, auch einen hohen Verlust ein. RTL hingegen machte nach Anteilen Dritter einen Gewinn von 194 (2007: 563) Mio. Euro. Der Rückgang wurde vor allem auf Abschreibungen auf das TV-Geschäft in Großbritannien zurückgeführt.

Der dortige Markt sowie der in Spanien bereiten Zeiler am meisten Kopfzerbrechen. Seinen Worten zufolge sind die Werbeerlöse an den meisten europäischen Märkten im Januar und Februar um zweistellige Raten eingebrochen. Zeiler kündigte daher an, die Kosten in allen Gesellschaften "deutlich" zu senken, ohne allerdings Details zu nennen. In den Niederlanden lagerte RTL bereits die technische Produktion mit 150 Mitarbeitern aus, der zum Konzern gehörende britische Sender Five will bis zu 87 der 354 Stellen streichen.

Mit dem Familienkonzern Bertelsmann im Rücken sieht sich RTL in der Wirtschaftskrise besser aufgestellt als den von Finanzinvestoren beherrschten Konkurrenten. Nach Gütersloh überweist das Unternehmen 504 Mio. Euro der Dividende von insgesamt 542 Millionen. Pro Sieben Sat 1 hingegen zahlt angesichts der tiefroten Zahlen eine Dividende von nur 2,2 Mio. Euro. 2008 hatten die Haupteigner, die Finanzinvestoren Permira und KKR, noch eine satte Ausschüttung von 270 Mio. Euro durchgedrückt - das Dreifache des damaligen Gewinns.

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