Überangebot
Samsung rechnet mit weiter sinkenden Preisen für Speicherchips

Der koreanische Elektronikkonzern Samsung Electronics erwartet weiter rückläufige Preise für Speicherchips der Typs DRAM und NAND. Angesichts des Überangebots befürchtet die Branche einen neuen Preiskrieg.

In den kommenden Monaten könnten die NAND-Preise rund 15 Prozent zurückgehen, teilte Samsung bei Vorstellung der Zahlen für das dritte Quartal mit. Auch auf dem Markt für DRAMS seien sinkende Preise zu erwarten. Die Branche befürchtet, dass die derzeitige Marktlage mit einem Überangebot an Speicherchips bestehen bleibt – und möglicherweise ein neuer Preiskrieg ausbricht.

DRAMs kommen eher im Hauptspeicher von Computern zum Einsatz, NANDS stecken in USB-Sticks oder Digitalkameras. Der DRAM-Markt hängt zu einem guten Teil von der Ausstattung von PCs ab. Wenn Heim- und Bürocomputer mehr Speicher bekommen, steigt die Nachfrage. Die Einführung des Windows-Betriebssystems Vista des Softwarekonzerns Microsoft hat wegen der höheren Leistungsanforderungen 2007 einen leichten Nachfrageschub ausgelöst, er blieb jedoch unter den Erwartungen. Optimisten hoffen nun, dass nach Start der Profi-Version von Vista im kommenden Jahr die Unternehmen ihre Rechner erneuern. „Ich denke, dass die Performance von Samsung 2008 zulegen wird, weil der DRAM-Sektor sich steigender Nachfrage wegen den Firmenversion des Betriebssystems Vista erfreuen wird“, sagt Analyst Hyun Park von Prudential Investments. Die Befürchtung der Preis-Pessimisten stützt sich auf die Beobachtung, dass die Unternehmen weltweit in den letzten Jahren effizient und kostenbewusst geworden sind. Nur für ein neues Windows-Betriebssystem wird nicht jeder seine alten Computer sofort wegwerfen. „Samsungs Ausblick klingt ein wenig pessimistisch“, sagt auch Fondsmanager Yong-Kyu Choi von IBK-SG Asset Management. Doch man wisse nie, wie sich die Preise entwickeln.

Die japanische Speicherkonkurrenz wie Toshiba oder Elpida dagegen macht sich vorsichtshalber auf einen harten Kampf gefasst, heißt es aus der Branche. Um sich im Markt mit NAND-Chips vorne zu positionieren, hat Toshiba zuletzt erheblich investiert. Das japanische Unternehmen kann Berichten zufolge schon ab 2009 eine neue Generation der Speicherbausteine mit einer bisher unerreichten Schaltkreisdichte von 30 Nanometern anbieten. Damit lassen sich Chips mit mehr Speicher um so preiswerter produzieren. Fast alle Spieler haben zuletzt ihre Kapazitäten hochgefahren – nicht zuletzt in Hoffnung auf einen Vista-Boom für DRAMs. Doch bei Samsung sank die Marge der Chipsparte zwischenzeitlich auf acht Prozent, nachdem sie 2006 ein Viertel erreicht hatte. Im letzten Quartal hat sie sich wieder etwas erholt und liegt nun bei 18 Prozent. Auch für Konkurrenten wie Hynix Semiconductor und die taiwanesische Powerchip Semiconductor erwarten Analysten allenfalls stagnierende Ergebnisse mit Chips.

Bei Vorstellung der Gesamtzahlen für das dritte Quartal gab Samsung Electronics einen weitgehend unveränderten Gewinn bekannt. Die Margen für Fernseher und Bildschirme verdoppelten sich auf 17 Prozent. Samsung rechnet mit einem starken Weihnachtsgeschäft und vielen Käufern für großformatige Bildschirme. Im zweiten Quartal platzierte Samsung sich im Handy-Markt auf Rang zwei hinter Nokia. Der Nettogewinn von Samsung Electronics erreichte von Juli bis September 2,2 Bill. Won (1,7 Mrd. Euro). Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 17 Bill. Won, der operative Gewinn lag bei 2,1 Bill. Won, was einem Plus von zwölf Prozent entspricht. Für das Gesamtjahr 2007 stellt Samsung einen Nettogewinn von gut sieben Bill. Won in Aussicht. Die Ausrüstungsinvestitionen sollen 2007 insgesamt 9,17 Bill. Won erreichen – mehr als zu Jahresbeginn geplant, aber noch weniger als im Vorjahr.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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