Übernahmepläne in der Softwarebranche
Oracle schlägt zurück

Im Kampf mit den Konkurrenten SAP und Microsoft kontert der US-Softwarekonzern Oracle und will die eigene Position im hart umkämpften Bereich Firmensoftware ausbauen – mit einem eigenen Milliardengebot. Doch der Erfolg ist noch nicht in trockenen Tüchern.

HB REDWOOD SHORES. Oracle will den amerikanischen Infrastruktur-Softwareanbieter BEA Systems schlucken – ein großer Happen, selbst für die übernahmefreudigste Firma der Branche. Das Unternehmen teilte am Freitag mit, den Aktionären von BEA würden 17,00 Dollar pro Anteilsschein geboten. Das Gebot liege um 25 Prozent über dem Schlusskurs von 13,62 Dollar am Donnerstag. Damit will Oracle insgesamt 6,7 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro) für die Akquisition ausgeben.

Die BEA-Aktie stieg nach Bekanntgabe der Pläne im frühen Handel in New York um mehr als 32 Prozent auf gut 18 Dollar. Anleger schlossen eine Gegenofferte nicht aus. Branchenexperten zufolge könnten auch IBM, Microsoft und Hewlett-Packard an BEA interessiert sein.

BEA Systems hat das Übernahmeangebot des Konkurrenten vorerst jedoch zurückgewiesen. Das Barangebot von 17,00 Dollar je Aktie spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider, schrieb der Verwaltungsrat von BEA am Freitag in einem offenen Brief an Oracle. Außerdem sei Oracle ein direkter Wettbewerber, dieser Umstand mahne zusätzlich zur Vorsicht. Dennoch werde das Angebot weiter geprüft. Zunächst müsse Oracle sich aber präziser zu seinen Übernahmeplänen äußern.

Mit dem Angebot kontert Oracle wenige Tage, nachdem der deutsche Erzkonkurrent SAP seine Pläne für den größten Zukauf der Firmengeschichte vorgelegt hatte. Zugleich wirkt es sich auf die geplante Übernahme des französischen Softwarekonzerns Business Objects durch SAP aus. Händlern zufolge trieben Gerüchte über eine mögliche Gegenofferte die Business-Objects-Aktien am Freitag mehr als einen Euro über die von SAP gebotenen 42 Euro. Nach Bekanntwerden der Oracle-Pläne gab der Kurs von Business Objects wieder nach, die SAP-Titel stiegen um 1,44 Prozent auf 39,50 Euro.

„Wir freuen uns darauf, das Geschäft so bald wie möglich abzuwickeln“, erklärte Oracle-Präsident Charles Phillips. Das Angebot sei Ergebnis vieler Gespräche mit der BEA-Führung in den vergangenen Jahren. US-Milliardär Charles Icahn hatte sich Anfang Oktober mit einem Aktienpaket von rund 13 Prozent bei BEA eingekauft und das Management zu einem Verkauf gedrängt. Die Erträge vonn BEA aus dem Verkauf neuer Lizenzen für Server-Software und so genannte Middleware waren zuletzt geschrumpft. Das BEA-Angebot ist das höchste seit dem Zukauf von Siebel Systems für etwa sechs Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Der mit Datenbank-Software groß gewordene Oracle-Konzern konnte seinen Quartalsgewinn zuletzt um ein Viertel steigern und im Rennen gegen SAP beim Verkauf von Firmensoftware Boden gut machen. Dabei profitierte das finanzstarke Unternehmen, das seit Jahren verstärkt auf Einkaufstour ist, vor allem von den milliardenschweren Firmenübernahmen der vergangenen Jahre. Zu den jüngsten Zukäufen zählen Unternehmen wie Hyperion Solutions, Stellent und MetaSolv. Seit 2005 hat Oracle Übernahmen im Gesamtwert von 20 Milliarden Dollar (rund 15 Mrd. Euro) getätigt.

Oracle investierte in den vergangenen Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar (rund 15 Mrd. Euro) in zwei Dutzend Firmen, um im Markt für Unternehmenssoftware zum Marktführer SAP aufzuschließen. Erst am Montag hatte SAP in einer Abkehr vom jahrelangen Kurs des organischen Wachstums die 4,8 Milliarden Euro schwere Übernahme des französischen Software-Herstellers Business Objects gekündigt.

Bei Datenbanksoftware ist Oracle Marktführer vor dem US-Rivalen IBM, bei Anwendersoftware für Geschäftskunden ist der Konzern die Nummer zwei hinter SAP.

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